Fettleibigkeit, wenn der Rettungsring bedrohlich wird

Fettleibigkeit führt zu körperlichen Problemen – oft helfen dann nur noch drastische Maßnahmen.

Die Dicken gelten als gemütliche Zeitgenossen. Ob Bayern-Kommissar Ottfried Fischer, Ex-Fußballmanager Reiner Calmund oder der amerikanische Schauspieler John Goodman – sie alle sind Sinnbilder für nette, freundliche Menschen, die man einfach mag und gerne um sich hat.
Und hier steckt auch das Problem: „Viele betrachten Adipositas immer noch als kosmetisches Problem“, sagt der Adipositas-Experte Prof. Dr. Alfred Wirth von der Teutoburger-Wald-Klinik in Bad Rothenfelde. „Wer fettleibig ist, denkt eher daran, dass er vielleicht weniger attraktiv für andere ist, aber nicht, dass Krankheitsrisiken damit verbunden sind.“

Beunruhigende Zahlen
Ab wann der Rettungsring zur Bedrohung für die Gesundheit wird, zeigt der Body Mass Index (BMI). Je dicker ein Mensch ist, desto höher der BMI. Zur Berechnung dieser Kenngröße teilt man das Körpergewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Beispiel: Ein 1,70 m großer Mensch mit einem Körpergewicht von 72,25 Kilo hat nach dieser Formel (72,25 : (1,7 x 1,7)) einen BMI von 25. Damit ist er gerade noch auf der „guten Seite“ – als normal gilt ein Wert zwischen 20 und 25. Liegt er über 25, ist man übergewichtig, ab 30 spricht der Arzt von Fettleibigkeit (Adipositas).

Die statistische Datenlage ist beunruhigend: So ist der Anteil an Dicken unter Diabetikern elfmal höher als unter Gesunden, unter Patienten mit koronarer Herzkrankheit dreimal höher, und an Bluthochdruck leiden viermal soviele Dicke wie Normalgewichtige.

Derzeit bringen rund 41 Millionen Bundesbürger – also gut jeder Zweite – zu viel auf die Waage, etwa 11 Millionen davon sind fettsüchtig. Mangelnde Bewegung und falsche Ernährung sind die Hauptursachen für Gewichtsprobleme. Doch auch die Gene spielen eine große Rolle. Die Tatsache, dass Übergewicht zu etwa 60 Prozent vererbt wird, bedeute aber nicht, dass man nichts dagegen tun könne, sagt Wirth. Allerdings, gibt der Experte zu, hätten die Betroffenen mit besonderen Problemen zu kämpfen.

So sei beispielsweise ihr Energieverbrauch geringer, und es sei deshalb schwieriger für sie abzunehmen. Die Biografien dicker Menschen ähneln sich oft. Bei vielen reihen sich erfolglose Diäten aneinander: Jo-Jo- Effekte mit weiterer Zunahme statt Gewichtsverlust erzeugen Frustgefühle und Resignation. So setzen manche als letzten Ausweg auf Medikamente oder eine Operation.

Stufenweise zum Normalgewicht
Doch bevor solche drastischen Maßnahmen in Erwägung gezogen werden, wird versucht, die Betroffenen auf andere Weise zu „erleichtern“. Erste Schritte sind ein Bewegungsprogramm und eine Ernährungsumstellung. Außerdem müssen die Patienten ihr Verhalten ändern und eine neue Einstellung zum Essen und zur körperlichen Betätigung finden. Ziel ist es, mindestens fünf bis zehn Prozent an Gewicht zu verlieren.

Für Betroffene mit einem BMI von mehr als 35 gelten zehn Prozent Gewichtsverlust als Minimalziel. Nur wenn solche Maßnahmen innerhalb eines Jahres nicht zum Erfolg führen, wird der Arzt eine medikamentöse Therapie empfehlen. Dafür stehen derzeit zwei Medikamente zur Verfügung. Der „Fett-Blocker“ Orlistat verhindert, dass Nahrungsfette im Magen-Darm-Trakt aufgespalten und in den Körper aufgenommen werden. Das Fett wird also teilweise unverdaut wieder ausgeschieden. Ernährt sich der Patient dennoch weiter zu fettreich, muss er sich auf unangenehme Durchfälle und Blähungen gefasst machen – die meisten Patienten stellen daher auf eine fettarme Kost um.

Anders der Wirkstoff Sibutramin: Er bremst den Appetit, indem er auf das Gehirn wirkt und den Energieverbrauch steigert. Da Sibutramin den Blutdruck erhöhen kann, wird der Wirkstoff nur unter strenger ärztlicher Überwachung eingesetzt. Ein neues Medikament mit dem Wirkstoff Rimonabant hat in Studien viel versprechende Erfolge gezeigt.

Operation als letzter Ausweg
Falls Medikamente ebenfalls nicht zum Erfolg führen, wird man schließlich über eine Operation nachdenken müssen. „Sie kommt nicht für jedermann in Frage“, schränkt der Adipositas- Experte Wirth ein, sondern sei nur für Patienten gedacht, die an Begleiterkrankungen leiden und es mit
allen anderen Methoden nicht geschafft haben, ihr Übergewicht zu verlieren.

Immerhin seien Operationen nicht ohne Risiko: Die Wahrscheinlichkeit, während des Eingriffs zu sterben, liege bei 0,5 bis 1 Prozent.
Zur Debatte stehen unterschiedliche Operationstechniken. Je nach Gewicht, Vorerkrankungen und verschiedenen anderen Gesichtspunkten wählt der Chirurg die passende aus. Grundsätzlich werden zwei Prinzipien angewendet. Bei „restriktiven Methoden“ (Magenband, Gastroplastik) schafft der Arzt eine Art Vormagen mit einem Fassungsvermögen von nur 30 bis 55 Millilitern. Das hat für den Patienten zur Folge, dass er bereits nach wenigen Bissen satt ist.

Nimmt er mehr zu sich, muss er unweigerlich erbrechen. So lernt er mit der Zeit, Maß zu halten. Bei dem zweiten Prinzip wird zusätzlich der Dünndarm verkürzt. Dadurch werden die Speisen nicht mehr vollständig verdaut und dem Körper
weniger Energie zugeführt. Diese Methode (Magen bypass) ist zwar besonders wirksam, aber auch risikobehafteter. Aus diesem Grund raten Ärzte nur dann zu dieser Methode, wenn der Patient mehr als 170 Kilo auf die Waage bringt.

Eine Fettabsaugung ist übrigens zum Gewichtsabbau ungeeignet. Sie führt zu keiner langfristigen Gewichtsreduktion und senkt auch das Risiko für Folgeerkrankungen kaum. Wer sich unters Messer begibt, sollte sich der Folgen bewusst sein: Weil die Magenöffnung nach der Operation nur noch zwölf Millimeter beträgt, muss jeder Bissen gründlich gekaut werden, sonst wird er erbrochen.

Das Ziel einer Adipositas-Therapie ist nicht nur, das Gewicht möglichst schnell zu senken, sondern auch, es langfristig stabil zu halten. Stark übergewichtige Menschen sollten daher auch unbedingt auf ein intensives Betreuungskonzept setzen. Doch mit professioneller Hilfe und mit dem notwendigen Ehrgeiz kann es jeder schaffen.

Vorbeugen ist besser: So bekämpfen Sie Ihr Übergewicht
Leichtes Übergewicht lässt sich meist noch relativ einfach unter Kontrolle bringen. Doch ohne eine Ernährungsumstellung sowie mehr Bewegung geht es nicht. Spezielle Formuladiäten aus der Apotheke unterstützen die Gewichtsreduktion in den ersten Wochen.

Sie bestehen aus sättigenden Instantgetränken, die den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen und ganze Mahlzeiten ersetzen können. Intensive Abnehmprogramme bieten zusätzlich Ernährungs- und Bewegungskurse sowie psychologische Gruppengespräche.

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