Psychologie, so stärken Sie Ihr Ich

Wer ständig an sich zweifelt, hat wenig Erfolg und wird kaum beachtet. Tipps für mehr Selbstbewusstsein.

Wer bin ich? Was kann ich? Wie viel bin ich wert? In Situationen, in denen wir uns unwohl und unsicher fühlen, stellen wir ziemlich rasch fest, wie es um unser Selbstwertgefühl steht, die Basis unserer Persönlichkeit. Akzeptieren wir uns, fühlen wir uns eher den Herausforderungen des Lebens gewachsen. „Dann sind wir mit uns und unserem Leben relativ zufrieden, leben in befriedigenden Partnerschaften und zeigen gute Leistungen“, erklärt die Psychologie-Professorin Astrid Schütz von der Universität Chemnitz, die unter anderem auch die Licht- und Schattenseiten einer positiven Selbstbewertung erforscht. Wer aber ständig an sich zweifelt, sich lieber bescheiden im Hintergrund hält, wird weniger beachtet und hat seltener Erfolgserlebnisse. „Zahlreiche Studien zeigen, dass Menschen mit niedriger Selbstwertschätzung unter negativen Gefühlen sowie Schwierigkeiten bei ihren Leistungen und in zwischenmenschlichen Beziehungen leiden“, sagt die Wissenschaftlerin. Schütz spricht von Selbstwertschätzung. Umgangssprachlich nennen wir diese Einstellung Selbstsicherheit oder Selbstbewusstsein.

Familie stärkt den Rücken
Wieso aber besitzt jemand eine starke Selbstwertschätzung, während ein anderer sich schnell kränken und verunsichern lässt? Zwei Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle: zum einen die Umwelt, insbesondere die familiären und sozialen Strukturen. Belohnen etwa Eltern nur bestimmte Leistungen oder bestrafen sie Kinder bei Problemen mit Liebesentzug, dann haben diese schlechtere Chancen, sich so zu akzeptieren, wie sie sind. Das heißt aber nicht, dass wir unseren Kindern alle Hindernisse im Leben aus dem Weg räumen oder sie ständig selbst bei leichten Aufgaben loben sollen. „Kinder, die in frühen Jahren lernten, schwierige, neue Situationen zu meistern“, sagt Schütz, „die sich also auch anstrengen mussten, haben Selbstvertrauen gewonnen, das ihnen dann zugute kommt.“

Auch Gene spielen eine Rolle
Glücklicherweise haben es Eltern weder in positiver noch in negativer Hinsicht allein in der Hand, ob ihr Nachwuchs ein solides oder ein schwaches Selbstbewusstsein entwickelt. Untersuchungen mit Zwillingen belegen: Bereits mit dem Erbgut wird uns ein bedeutender Teil an Selbstwertschätzung mitgegeben. Genetische Faktoren bestimmen mit, wie wir uns selbst akzeptieren. Woher beziehen Menschen im Lauf ihres Lebens ihren Selbstwert? Für die Züricher Psychologie-Professorin Verena Kast entsteht das Selbstwertgefühl „immer im Dialog mit den anderen. Wer seine Mitmenschen viel wichtiger nimmt als sich selbst, fühlt sich bei Kritik – ob gerechtfertigt oder nicht – schnell am Boden zerstört.“ Die Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Tiefenpsychologie empfiehlt, sich in solchen Momenten zu besinnen: „Was ist dran an der Kritik? Was kann ich verbessern? Gleichzeitig sollte jeder sich vor Augen halten: Was ist in Ordnung bei mir? Wo bin ich gut?“ Die renommierte Buchautorin Kast schlägt außerdem vor, die eigenen Schattenseiten ans Licht zu holen und anzuschauen. Damit meint sie „die Eigenschaften, die wir an uns nicht mögen und die dem Ideal von uns selbst entgegenstehen“. Nur wer auch für seine ungeliebten Charakterzüge eine gewisse Verantwortung übernimmt, erhält ein besseres Selbstwertgefühl.

Manche Zeitgenossen haben nicht zu wenig, sondern eher zu viel Selbstvertrauen, bis hin zur Selbstgefälligkeit. Psychologen warnen: Wer sich ständig überschätzt, mag im Job wegen seines Durchsetzungsvermögens lange erfolgreich sein. Seine Mitmenschen finden ihn jedoch wenig sympathisch. Denn eine unangenehme Eigenschaft ist all diesen Menschen eigen: Erfolge verbuchen sie immer für sich, Misserfolge lasten sie den Umständen an. Bei der Selbstwertschätzung kommt es also auf das richtige Maß an. Am einen Ende der Skala befinden sich Unsicherheit und enorme Minderwertigkeitsgefühle, am anderen Ende übersteigertes Selbstwertgefühl und Arroganz. Interessant sind auch neue Befunde: Anhand von Untersuchungen mit knapp 100 000 Personen stellten Wissenschaftler fest, dass sich das Selbstwertgefühl der beiden Geschlechter eindeutig unterscheidet. Astrid Schütz bringt es auf den Nenner: „Männer sind besonders zufrieden, wenn sie merken, dass sie besser sind als andere. Frauen scheint es wichtiger zu sein, von ihren Mitmenschen anerkannt und akzeptiert zu werden.“
Wichtig ist für jeden zu sehen, ob die Quellen seines Selbstwerts im Lauf des Lebens konstant bleiben können. Frauen, die in jungen Jahren den Selbstwert aus ihrer Attraktivität bezogen, besitzen im Alter weniger Selbstbewusstsein, fanden Forscher heraus. Dagegen zeigen Frauen, die sich eine andere Basis gesucht haben, mit den Jahren eine stabilere Selbstachtung. Bei allem Selbstwert ist die gegenseitige Anerkennung bedeutsam, stimmen Kast und Schütz überein.

Gut für das Ego

* Akzeptieren Sie sich mit all Ihren Fehlern und Schwächen.

* Erkennen Sie Ihre Leistungen und die Erfolge anderer an.

* Pflegen Sie intensive Freundschaften. Dann erhalten Sie auch ehrliche Rückmeldungen.

* Stärken Sie Ihr Gefühl der Eigenmacht. Darunter verstehen Psychologen die Überzeugung, eine Situation beeinflussen, also mitgestalten zu können.

* Verraten Sie Ihre Überzeugungen nicht. Bleiben Sie moralisch integer.

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