Miracle Morning – Jeden Morgen ein Wunder erleben?

Miracle Morning

Gewohnheiten prägen unser Leben. Sie sind vertraut, geben Sicherheit – aber manchmal blockieren sie uns auch. Wie kann man dem Leben neuen Schwung geben, eigene Potenziale besser nutzen und zufriedener werden? Ein aktueller Geheimtipp zu diesen Fragen heißt: Miracle Morning. Selbsttest einer Nachteule, die eigentlich lieber zwischen 22 und 24 Uhr produktiv ist. 

Stehe jeden Morgen eine Stunde früher auf als bislang und nutze diese Zeit für deine persönliche Entwicklung! So lässt sich der Gedanke zusammenfassen, den Motivations-Coach Hal Elrod in seinem Ratgeber „Miracle Morning – Die Stunde, die alles verändert“ vorstellt. Das Buch und mit ihm die sogenannte S.A.V.E.R.S.-Choreographie (siehe Kasten Seite 16) wurde bereits in viele Sprachen übersetzt, Elrods Miracle-Morning-Gruppe hat auf Facebook fast 190 000 Mitglieder. Wie ist das Leben nach dem Miracle-Morning-Prinzip in der Praxis?

Mein Miracle-Morning-Monat

Tag 1
Hochmotiviert stehe ich um 5.30 Uhr auf. Vor dem Einschlafen habe ich mich, wie von Elrod empfohlen, auf meine „Bedtime-Affirmation“ konzentriert. Darin geht es zum einen um persönliche Ziele, die ich ab jetzt in Angriff nehmen will, und – ganz wichtig – um folgenden Satz: „Ich werde morgen um 5.30 Uhr ausgeruht und motiviert aufstehen.“ Denn, so der Autor: Den letzten Gedanken vor dem Einschlafen nimmt man mit in den nächsten Morgen. Das zumindest hat schon einmal funktioniert!

Tag 5
Nachdem mich während der ersten drei Tage eine regelrechte Euphorie aus dem Bett getrieben hat, macht sich jetzt langsam der Schlafmangel bemerkbar. Also nutze ich einen Trick, um aus den Federn zu kommen: Ich stelle mir abends schon einen Becher Pfefferminztee auf den Nachttisch. Der ist am Morgen kalt, schön erfrischend und hilft beim Wachwerden.

Egal, ob Sie Ihre Miracle-Morning-Stunde nun für Yoga, als Lesezeit oder fürs Tagebuchschreiben nutzen, Sie starten auf jeden Fall motiviert in den Tag.

Tag 10
Die morgendliche Ratgeber-Lektüre hat sich bewährt. Ich brauchte dringend Tipps, um einen schulmüden Siebtklässler fürs Lernen zu begeistern. Tatsächlich hilft das Konzept, das ich in den Morgenstunden dazu entwickelt habe. Sogar die Visualisierung funktioniert: Ich stelle mir meinen Sohn am Schreibtisch arbeitend vor – und kann ihn nachmittags tatsächlich besser als früher zum Lernen bewegen!

Tag 15
Gewissensentscheidung: Ein Auftrag muss schnellstmöglich fertig werden. Nach kurzer Überlegung widme ich den größten Teil meiner Miracle-Morning-Stunde dem Job und reduziere die S.A.V.E.R.S. auf ein Minimum von jeweils einer konzentrierten Minute. Tatsächlich hilft auch das, um fokussierter in den Tag zu starten. Aber es fühlt sich an, als müsste ich auf eine Lieblingsserie verzichten. Zur Gewohnheit soll das nicht werden.

Tag 20
Beim Aufwachen merke ich gleich: Irgendwas ist faul! Warum ist es so viel heller als sonst? Beim Blick auf die Uhr schieße ich in die Höhe: schon halb acht! Also gibt es heute keine S.A.V.E.R.S. und mein Sohn kommt viel zu spät zur Schule: eine Miracle-Morning-Panne. Dieses Mal hat es mit der Bedtime-Affirmation wohl nicht so gut geklappt.

Tag 30
Inzwischen widme ich die morgendliche Stunde meiner beruflichen Entwicklung. Ich habe mir eine Fortbildung herausgesucht, auf die ich schon lange Lust hatte. Außerdem geht mir die Arbeit tagsüber besser von der Hand, wenn ich mir morgens einen Plan mache.

Mein persönliches Fazit

Das frühe Aufstehen ist noch immer manchmal anstrengend, aber die Stunde für mich allein, morgens, wenn alles noch schläft, fühlt sich trotzdem wie Luxus an. Ich genieße die Ruhe – und auch das Bewusstsein, mein Zeitmanagement besser in der Hand zu haben. Wahrscheinlich werde ich nicht mein Leben lang Fragen haben, zu denen ich morgens Ratgeber lese. Aber auch wenn die Stunde am Morgen nur der Tageszeitung und meinen Gedanken dazu gewidmet ist, bleibt das Empfinden, schon ein bisschen was vom Tag gehabt zu haben, wenn andere erst aufstehen. Und das fühlt sich irgendwie gut an. jt //

Der Morgen bestimmt die Richtung

Steffen Kirchner ist als Motivationstrainer unter anderem für Profisportler und zahlreiche Großkonzerne im Einsatz. Er erklärt, warum gerade der Morgen für die persönliche Entwicklung so wertvoll ist: „Die Uraufgabe unseres Gehirns ist es, unser Überleben zu sichern, Gefahren zu erkennen und Probleme zu lösen. Deswegen konzentriert sich das Gehirn morgens automatisch auf unsere Probleme – wenn wir ihm keine klare Struktur vorgeben. Gibt man dem Kopf morgens direkt eine Richtung vor, in die er denken muss und wie er in den Tag starten soll, lässt sich das Energielevel für den gesamten Tag positiv beeinflussen. Die erste Viertelstunde des Tages entscheidet, wie man an die erste Stunde herangeht. Das wirkt sich schnell auf den ganzen Vormittag aus. Ein guter Vormittag führt oft zu einem guten Tag. Ein guter Tag macht die Woche gleich besser … Der Effekt ist enorm!“ Eine Übersicht über Kirchners Bücher und Live-Seminare gibt es unter www.steffenkirchner.de

Das Erfolgsgeheimnis

DIE S.A.V.E.R.S.
Für die morgendliche Extra-Stunde empfiehlt Hal Elrod eine detailliert durchdachte Choreographie. Ihre einzelnen Schritte fasst er als S.A.V.E.R.S. also als Retter, zusammen. Die in Klammern angegebene Dauer empfiehlt er zur groben Orientierung, die aber auch individuell den eigenen Bedürfnissen angepasst werden kann.

S.A.V.E.R.S. bedeutet:
S = silence / Meditation (5 min)
A = affirmation / sich selbst positiv zureden, Ziele definieren (5 min)
V = visualisation / Bilder von dem, was sein soll, vors innere Auge rufen (5 min)
E = exercises / körperlich aktiv werden (20 min)
R = reading / inspirierende Lektüre (20 min)
S = scribing / Notizen oder Pläne aufschreiben (5 min)

Die S.A.V.E.R.S. sollen dabei helfen, Energie zu tanken, die eigene Kraft zu spüren und sich persönlicher Ziele bewusst zu werden. Ob es dabei um die Frage geht „Wie werde ich Millionär?“ oder eher darum, wie man sich im Alltag besser von den Erwartungen anderer abgrenzt, spielt keine Rolle: Inhaltlich werden die S.A.V.E.R.S. jeweils dem Bedarf angepasst.

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