Tipps wie man Bienen schützen kann

Bienenschutz

Es ist Sommer: Alles blüht, im Garten summt es – und wenn das so ist, ist es gut, denn Bienen gehören zu den wichtigsten Nutztieren der Welt. Sie sichern Nahrungsangebot und -vielfalt für alle. Indem wir ihren Lebensraum schützen, tun wir uns selbst einen Gefallen. Zeit, das Wesen und Leben der Bienen zu erkunden! 

Die meisten Obstbäume würden ohne das Zutun der Bienen keine Früchte tragen. Aber nicht nur sie: Von den 107 meistangebauten Kulturpflanzen weltweit werden 91 bestäubt, zum Beispiel auch Raps und Kaffee. Die Bienen erledigen also einen entscheidenden Arbeitsschritt. Um die Bestäubung sicherzustellen, setzen Landwirte auf Plantagen und Feldern Bienenvölker gezielt ein.

Abseits der Landwirtschaft sind Bienen auch in der freien Natur unterwegs. Zu den Honigbienen der Imker gesellen sich hier viele Arten unterschiedlich großer Wildbienen. Sie erhalten die Artenvielfalt in Flora und Fauna aufrecht, denn sie bestäuben auch jene Blüten, die für die pummeligen Honigbienen zu klein sind. Für all jene Tiere, die sich von den Früchten und Samen bestimmter Pflanzen und Kräuter ernähren, sind die Wildbienen also unverzichtbar.
Seit einigen Jahren ist die Situation der Wildbienen zunehmend brenzlig geworden. Durch viele Faktoren, unter anderem die Versiegelung von Böden und das Verschwinden naturbelassener Wald- und Wiesengrundstücke, wird ihr Lebensraum immer kleiner.

Bienenhilfe für Einsteiger

Um Bienen zu unterstützen, muss man nicht gleich das ganze Leben umkrempeln. Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten kann jeder ihre Lebensbedingungen verbessern. Selbst wer weder Garten noch Balkon hat, kann als Bienenfreund aktiv werden. In vielen Städten gibt es Angebote zu „Urban Gardening“. Das können Gemeinschaftsprojekte sein, die zum Beispiel von Wohnungsbauunternehmen initiiert werden, oder auch Patenschaften, die die Städte für kleine Flächen vergeben, etwa für Baumscheiben, also das Erdreich rund um einzelne Straßenbäume, in dem auch Blühpflanzen Platz finden können. Mit Kübeln sind selbst asphaltierte Innenhöfe schnell begrünt. Manchmal genügt es schon, den Vermieter um Erlaubnis zu fragen – schon hat sich eine neue Blüh­fläche gefunden. Eine schöne Geschenkidee für den nächsten Geburtstag wäre es beispielsweise auch, eine Patenschaft für eine Bienenweide zu verschenken. Das geht in verschiedenen Preiskategorien beispielsweise bei der Augsburger Bienenweide unter www.bienenweide-patenschaft.com.

Umweltaktivisten praktizieren auch das „Guerilla-Gardening“: Sie werfen Kugeln aus Erde und Samen auf nicht begrünte Flächen. Vorsicht: Das ist nicht erlaubt! Wer eine Fläche bepflanzen möchte, sollte immer das Einverständnis des Eigentümers einholen.
Viele Möglichkeiten hat, wer einen eigenen Garten insekten- und insbesondere bienenfreundlich gestalten kann. Gärten bieten in doppelter Hinsicht Lebensraum für Bienen: zum einen, weil hier viel Platz für Blühpflanzen ist, zum anderen aber auch, weil viele Wildbienen in der Erde nisten. Anders als die Honigbiene leben sie in der Regel nicht in einem großen Volk, sondern allein und suchen sich einen ungestörten Ort im Boden, um ihre Brut abzulegen. Auch ungeordnet herumliegende alte Hölzer sind eine Einladung für die Bienen, denn auch hier finden sie ihre Unterkunft. Dafür braucht nicht der ganze Garten zu verwildern, es hilft schon, in einer abgelegenen, ruhigen Ecke den natürlichen Wuchs zu belassen und den Bienen hier einen ungestörten Raum anzubieten.

Auch auf die Auswahl der Pflanzen kommt es an. Nicht alles, was schöne Blüten hat, ist auch nahrhaft für die Bienen. In gefüllten Blüten finden sie keinen Zugang. Wichtig ist außerdem, dass sich die Blütezeit über das gesamte sonnige Halbjahr erstreckt, damit den Bienen nicht zwischendurch die Nahrung ausgeht. Sie brauchen eine gute Mischung von Früh- bis Spätblühern. Übrigens: Wasser ist nicht nur für Menschen, sondern auch für Insekten lebensnotwendig! Wo kein Platz für einen Gartenteich ist, tut es auch eine täglich frisch gefüllte flache Wasserschale mit ein paar Steinen darin als Tränke.

Die meisten Schritte zur Gestaltung eines kleinen Wohlfühl-Areals für Bienen lassen sich auch auf dem Balkon gut umsetzen. Anstelle einer ruhigen Gartenecke, in deren Boden Raum für Nistplätze ist, bieten sich für Balkone zum Beispiel Insektenhotels und bienenfreundliche Pflanzen an. jt //

Experten-Interview : Imker auf neuen Wegen

Kerstin Kopp, Stadtimkerin in Köln, imkert seit sieben Jahren und betreibt die Imkerei Rheinblüte. Der Schutz der Bienen ist ihr größtes Anliegen, vor allem im Rahmen ihrer Jungimkerausbildung.

Warum begeistert Sie das Imkern?

Ich sehe es als eine Mission und möchte die Tiere in ihren Bedürfnissen unter­stützen. Ich würde zum Beispiel nie eine Königin auswechseln – auch wenn ein Volk mit einer jüngeren Königin leistungsstärker ist. In der konventionellen Imkerei, die sich aus dem Handwerk der Honigproduktion heraus versteht, ist das in der Regel anders. Aber es gibt neue Strömungen, die sagen: Wir brauchen eine artgerechte Bienenhaltung! Der Bienenforscher Torben Schiffer hat in dieser Hinsicht vieles angestoßen. Wer Tiere hält, um Produkte von ihnen zu gewinnen, hat die Verantwortung, sie dabei nicht auszubeuten.

Wie kann man, wenn man kein Imker ist, die Bienen am besten unterstützen?

Die Gärten sind besonders wichtig. In den Städten finden Bienen Nahrung in Parks, Schrebergärten und auf Friedhöfen. Aber auf dem Land ist es deutlich schwieriger, ein Bienenvolk durch das Jahr zu bringen. Es gibt zu viele Gärten, in denen Rasen und Buchsbaum überwiegen. Wir brauchen eine Agrarwende, aber durch bienenfreundliche Pflanzen kann auch jeder selbst etwas tun.

Sind Wildbienen und Honigbienen eigentlich Nahrungskonkurrenten?

Dazu gibt es verschiedene Einschätzungen. Bekannt ist aber, dass es vor 100 Jahren mehr Honigbienen gab als heute – und mehr Wildbienen. Das größte Problem ist die kranke Natur, die immer weniger Lebensraum für alle Bestäuber bietet.

Wenn man als Imker aktiv werden möchte – wie stellt man das an?

Hilfreich ist ein Imkerpate, aber man kann auch zunächst einen Kurs belegen. Idealerweise sollte man sich vorher überlegen, in welche Richtung man gehen möchte: Will man vorrangig Honig produzieren oder geht es um die Bienen? Dement­sprechend werden unterschiedliche Ansätze verfolgt, welche die Bienen mehr oder weniger stark lenken und beeinflussen, im schlechtesten Fall manipulieren. Aber natürlich kann man auch erst einmal konventionell anfangen und später neue Wege einschlagen. So habe ich es auch gemacht.

Weitere Informationen unter
www.rheinbluete.de

Kerstin Kopps Empfehlungen zum Honigkauf:

Honig ist das Winterfutter der Bienen. Einen Teil davon können sie entbehren, aber nur, wenn ihre eigene Ausbeute gut war. Deswegen ist es richtig, verantwortungsvoll und sparsam damit umzugehen. Den höchsten Standard hat Honig von Demeter-Imkern, da sie auch das Tierwohl berücksichtigen. Für regionalen Honig spricht, dass er keine langen Transportwege zurücklegen musste. Insgesamt ist Honigkauf Vertrauenssache.

Tipps für einen bienenfreundlichen Balkon oder Garten

  • Lokale Pflanzen wählen – an sie sind die Bienen gewöhnt.
  • Nistplätze anbieten – etwa durch Insektenhotels oder ungestörte Erdfläche.
  • Alte Hölzer liegen lassen – darin beziehen zum Beispiel die Holzbienen Quartier. Früh- und Spätblüher kombinieren – so vermeiden Sie Hungerphasen für die Bienen.
  • Ungefüllte Blüten bevorzugen – hier finden die Bienen leichter Zugang zum Nektar.
  • Und, ganz wichtig: Auf Chemie verzichten
  • Diese Pflanzen mögen Bienen gerne Pflanzen mit ungefüllten Blüten:
    • Fächerblume
    • Glockenblume
    • Kapuzinerkresse
    • Lavendel
    • Löwenmäulchen
    • Margerite
    • Sonnenblume
    • Verbene
    • Wandelröschen
    • Küchenkräuter

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