Machen Sie Ihr Glück!

Glück

„Glück ist kein Geschenk der Götter, sondern die Frucht innerer Einstellung“, so Erich Fromm. Sind wir wirklich unseres Glückes Schmied? Und wenn ja, was müssen wir tun, um glücklich zu sein? Eine Spur zum Geheimnis des Glücks führt uns nach Finnland und Heidelberg, aber vor allem zu uns selbst.

Nachhilfe im Glücklichsein nehmen wir am besten in Finnland. Denn laut Weltglücksreport der Vereinten Nationen leben hier die Experten, die glücklichsten Menschen der Welt. Wie bitte? Ausgerechnet im Land der harten, dunklen und schier nie enden wollenden Winter wohnt das Glück? Doch was ist das Geheimnis der Finnen? Für Saunaliebhaber ist die Antwort offensichtlich: Hier wird das Unglück einfach rausgeschwitzt. Vielleicht liegt es aber auch an der reichen und unberührten Natur, rund 80 Prozent der Landesfläche sind mit Wäldern und Seen bedeckt. Naheliegend, dass Wälder zum Wandern, Beeren- und Pilze sammeln intensiv genutzt werden. Erholung stellt sich rasch ein: Ätherische Öle von Blumen, Zapfen und Nadeln, sogenannte Terpene, haben einen positiven Einfluss auf das Immunsystem und signalisieren dem Körper Wohlbefinden. Das Stresshormon Kortisol sinkt ebenso wie Blutdruck und Puls bereits nach einer Stunde im Wald. Neben der Naturverbundenheit findet sich ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn unter den Finnen: Über hohe Steuern wird nicht geklagt, denn sie sichern ein überdurchschnittliches Niveau des Bildungs- und Gesundheitssystems. Das Armutsrisiko ist im europäischen Vergleich am niedrigsten. Während der erste Weltglücksbericht der Vereinten Nationen 2012 veröffentlicht wurde, hat sich das kleine südasiatische Königreich Bhutan bereits im 18. Jahrhundert mit dem Glück der Bevölkerung beschäftigt. Es wird bis heute als wichtigstes politisches Ziel definiert. Der Begriff des Bruttonationalglücks ist mittlerweile legendär und weit über Bhutans Grenzen hinaus bekannt. Um die Bevölkerung Bhutans glücklich zu machen, strebt die Regierung nach sozialer Gerechtigkeit, Förderung kultureller und religiöser Werte, Umweltschutz sowie guten Regierungs- und Verwaltungsstrukturen. In der Heidelberger Willy-Hellpach-Schule führte der damalige Direktor Ernst Fritz-Schubert 2007 sogar das Schulfach „Glück“ ein. Schüler lernen darin wissenschaftliche Forschungsergebnisse und Methoden der Positiven Psychologie kennen. So können sie ein Bewusstsein über ihre Fähigkeiten, Bedürfnisse, Ziele und Werte und damit auch ihren eigenen Weg zum Glücklichsein entwickeln.

Entscheiden Sie sich glücklich

Auch wenn Sie im Fach „Glück“ gefehlt haben – Sie können lernen, was Ihr Lebenglücklicher macht. Voraussetzung dafür ist, ein Bewusstsein über die eigenen Ideale und Werte, Ihre Stärken, Interessen und Bedürfnisse zu entwickeln. Dabei helfen Ihnen einige grundsätzliche Fragen, die Sie sich stellen können: Mit welchen Menschen sind Sie gern zusammen? In welchen Momenten fühlen Sie sich wohl? Wann vergessen Sie die Zeit? Was hat Sie stolz gemacht? Was berührt Sie? Was wünschen Sie sich und warum? So gehen Sie auf eine Forschungsreise in Ihr Inneres und entdecken die Person, die Sie sind, noch einmal neu. Dieses Wissen ist die Grundlage für Lebens- und Alltagsentscheidungen, mit denen es Ihnen gut geht. Entscheiden, das bedeutet, aktiv das Steuer des eigenen Lebens in die Hand zu nehmen. Schon dieser Moment kann ein Glücksgefühl auslösen. Denn er zeigt Vertrauen in sich, Freiheit und Stärke.

Kopf oder Bauch?

Doch was tun, wenn innerlich eine Diskussion darüber entflammt, welche Alternative die richtige ist? Wenn die Pro-und-Contra-Liste steht, aber wackelt, weil jede Seite wirklich gute Argumente hat? Gerade bei wichtigen Entscheidungen, deren Ausgang unvorhersehbar und unklar ist, sollte Ihre Intuition zu Wort kommen. Mehr noch, das entscheidende Machtwort sprechen. Wenn Ihr Gefühl zu einer bestimmten Entscheidung tendiert und Sie nicht genau wissen, weshalb, greifen Sie in diesem Moment unbewusst auf Informationen zurück. Das Gedächtnis läuft dabei auf Hochtouren und verknüpft sie mit aktuellen Informationen – bis sich eine Entscheidung richtig anfühlt. Sogar der Körper sendet hier Signale wie einen Kloß im Hals oder ein befreites Gefühl in der Brust. Wer eine Entscheidung nach Bauchgefühl und nicht nur nach reinen Fakten trifft, wird langfristig zu dieser Entscheidung stehen können. Ihr Bauch bleibt stumm? Dann greifen Sie zu einem Trick: Werfen Sie eine Münze. Und während sich die Münze in der Luft dreht, fragen Sie sich, auf welcher Seite sie landen sollte. Wie sie dann tatsächlich landet, ist natürlich unerheblich.
Eine Trainingsmethode, die innere Stimme zum Sprechen zu bringen, fordert Ihre Vorstellungskraft heraus. Wenn Sie vor einer Entscheidung stehen, stellen Sie sich so plastisch wie möglich alle denkbaren Handlungsmöglichkeiten vor – eine nach der anderen. Fragen Sie sich bei jeder Vorstellung, welche Gefühle sie bei Ihnen auslöst. Angenommen, Sie denken darüber nach, eine Beförderung anzunehmen: Wie fühlen Sie sich bei dem Gedanken, Ihrem Team als Vorgesetzter und nicht mehr als Kollege zu begegnen? Was empfinden Sie, wenn Sie sich bei einer Ihrer neuen Aufgaben sehen? Wenn die Entscheidung getroffen ist, dann fühlen Sie noch einmal nach: Sind da positive Empfindungen und Tatendrang? Falls ja, ist es die richtige Wahl für Sie. Selbst wenn sich die Entscheidung später als die falsche herausstellen sollte. Es reicht, nach bestem Wissen und Gefühl zu handeln. Denn zum Glück braucht es keine perfekten Entscheidungen. gs //

10 kleine Glücksmomente für den Alltag

1. Sonnenaufgang beobachten
2. Jemanden zum Lachen bringen
3. Zum Lieblingslied tanzen
4. Einen nostalgischen Abend mit alten Fotos und Musik von früher verbringen
5. Einen langen Spaziergang machen
6. Sich einen Blumenstrauß kaufen (oder pflücken)
7. Ein neues Gericht ausprobieren, am besten mit Chili (scharfes Essen schüttet Endorphine aus)
8. Singen – im Auto, im Chor oder in der Karaoke-Bar
9. Den Keller entrümpeln und Brauchbares an gemeinnützige Einrichtungen verschenken
10. Einem lieben Menschen spontan eine Freude machen

Literatur & Webtipps

  • Der Klassiker der Ratgeberliteratur: „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick, Piper Verlag 2009, 10 Euro. Ein etwas anderes Ratgeberbuch, das zeigt, wie wir uns tagtäglich unglücklich machen. Sehr unterhaltsam geschrieben und voller kluger Antworten auf die Frage, was uns Glück und Unglück bringen.
  • Das Glücksportal von Dr. Eckart von Hirschhausen: www.glueck-kommt-selten-allein.de
    Kostenloses siebenwöchiges Trainingsprogramm mit Übungen aus der Positiven Psychologie.
  • Das interaktive Kunstprojekt Ministerium für Glück und Wohlbefinden thematisiert das Thema Glück, es möchte spielerisch zum Umdenken anregen und zum Mitmachen motivieren: www.ministeriumfuerglueck.de

TEST: Wie glücklich bin ich?

Der britische Forscher Pete Cohen hat eine Formel zum Glück entwickelt, mit der Sie Ihren Glückswert ausrechnen können.
Beantworten Sie zuerst die Fragen mit Punktzahlen von 1 (trifft nicht zu) bis 10 (trifft zu).

WERT P: Persönlichkeit
1. Sind Sie extrovertiert, energiegeladen und flexibel?
2. Haben Sie eine positive Lebenseinstellung? Erholen Sie sich schnell von Rückschlägen und haben Sie das Gefühl, die Kontrolle über Ihr Leben zu haben?
Addieren Sie die Punkte, die Sie sich zu den Fragen 1 und 2 gegeben haben, sie ergeben zusammen den Wert P.

WERT E: Existenz (Gesundheit, Freundschaften und Finanzen)
3. Sind Ihre Grundbedürfnisse hinsichtlich Gesundheit, Finanzen und Gemeinschaft erfüllt?
Das ist der Wert E.

WERT H: höhere Ziele wie Selbstbewusstsein und Erwartungen
4. Bekommen Sie Unterstützung von Menschen, die Ihnen nahestehen? Gefällt Ihnen, was Sie tun? Sind Ihre Erwartungen erfüllt?
Das Ergebnis ist der Wert H.

Geben Sie die Werte nun in folgende Formel ein: P + (5 x E) + (3 x H)
Wenn Ihr Ergebnis 100 ist, leben Sie wahrscheinlich in Finnland und sind der glücklichste Mensch der Welt.

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