Gemeinsam kochen

Gemeinsam kochenEin Tisch, auf dem ein schönes Essen seinen köstlichen Duft verströmt, und gut gelaunte Menschen, die um ihn herum sitzen, erzählen und lachen – mehr braucht es nicht für die kleinen Glücksmomente im Leben. Heute teilt man sie nicht mehr nur beim abendlichen Familienessen, auch Fremde treffen sich zum geselligen Kochen und Schlemmen. Ein Trend, der durch den Magen geht: das Social Dining. 

Der Mensch ist und isst nicht gern allein, die Freude am gemeinsamen Essen ist in allen Kulturen tief verwurzelt. Traditionelle Gerichte, ob marokkanische Tajine oder schweizerisches Fondue, erzählen davon. Denn sie sind gemacht für große Essensrunden und lange Gespräche. Als klassischen Ort gemeinsamen Essens kennen wir die Familie, doch unsere Lebensweisen wandeln sich: Die Zahl der Single-Haushalte wächst, in Deutschland sind es mehr als ein Drittel. Geblieben ist aber das Bedürfnis nach der Gemeinsamkeit beim Essen. Was tun, wenn man keine Lust auf ein einsames Käsebrot vor dem Fernseher hat? Die Antwort lautet: Social Dining.

Ein Genusstrend macht die Essensrunde

Entstanden ist der Trend des Social Dinings, also des geselligen Essens, in New York. Dort luden das Ehepaar Felipe Donnelly und Tamy Rofe vor acht Jahren zu Dinner-Partys in ihr Zuhause ein. An sich nichts Außergewöhnliches, hätten sie Freunde oder Familie eingeladen – aber zum Essen kamen Fremde. Die Enthusiasten für kreative Küche und neue Begegnungen schrieben in ihrem Blog worthkitchen.blogspot.com über ihre gemeinsamen Abendessen. Als der Geheimtipp das Gesundheitsamt erreichte, war dies das Ende der Dinner-Partys bei Donnelly und Rofe. Doch da hatte sich die Idee, Kulinarik mit Kennenlernen zu verbinden, bereits weit über die Grenzen von New York verbreitet, heute wird weltweit in privaten Küchen für Fremde gekocht. Donnelly und Rofe führen mittlerweile ein Restaurant namens „Colonia Verde“ in New York, in dem die Atmosphäre so gemütlich und entspannt ist wie zu Hause.

Übers Essen kennenlernen?

Das New Yorker Ehepaar hat mit seiner Idee einen Nerv getroffen. Immer mehr Menschen interessieren sich für Kulinarik und kreative Gerichte, gern aus Länderküchen, die sie vielleicht schon auf Reisen kennengelernt haben. Foodtrends lösen sich immer schneller ab, ob vegan oder Paleo, Bowls, Chia-Pudding, Matcha-Tee oder Kurkuma-Drink, Streetfood oder orientalische Mezze. Ausprobieren, Selbermachen – der Trend des Do-it-Yourself stoppt nicht vor der Küche. Der selbst angebaute Weißkohl aus dem Urban-Gardening-Projekt im Kiez wird nun wie zu Omis Zeiten oder nach Kimchi-Art fermentiert. Am liebsten zusammen in der Gruppe. Denn gleichzeitig suchen die Menschen nach Momenten der Geborgenheit und Vertrautheit. Nicht nur die Zahl der Single-Haushalte steigt, sondern auch die der Umzüge. Mobilität ist eine Grundvoraussetzung in zahlreichen Berufsbranchen. In der neuen Stadt anzukommen, heißt auch neue Kontakte zu knüpfen, Freunde zu finden. In Vereinen oder Clubs fühlt sich nicht jeder wohl, außerdem bietet gemeinsames Kochen und Essen eine ideale Gelegenheit für entspannte Gespräche. Websites und Apps stellen Interessierten eine Plattform bereit, auf der Hobbyköche Gäste für ein privates Dinner zu Hause einladen können. Alle, die Kochen lernen oder ihre Kochkünste etwas verbessern wollen und dazu neue Leute kennenlernen möchten, sollten sich in Kochkursen anmelden.
In vielen Städten haben Kochschulen eröffnet, die zu verschiedensten Themen wie zum Beispiel vegan, ayurvedisch oder Grillen Kurse anbieten. Meist gehen sie über einen Abend, manchmal auch über ein Wochenende. Wer neugierig auf andere Kulturen ist, für den ist der gemeinnützige Verein „Über den Tellerrand kochen“ genau das Richtige. Die Organisation bringt in vielen deutschen Städten Menschen mit und ohne Fluchterfahrung zusammen, es wird gemeinsam gekocht und gegessen, von afghanisch bis schwäbisch ist alles dabei.
Eine regelmäßige Essensrunde bietet aber auch eine gute Möglichkeit, bestehende Kontakte zu intensivieren. Gerade, wenn man zum Beispiel im Freundeskreis wieder mehr Nähe schaffen möchte. Bei wem gekocht und gegessen wird, wechselt sich einfach ab. Ein Rezept wird ausgesucht, entweder demokratisch oder vom Gastgeber, jeder bringt Zutaten für die Rezepte mit und in der Küche wird aufgeteilt nach Vor-, Haupt- und Nachspeise gekocht. Und dann natürlich ausgiebig gegessen und erzählt. Je länger, desto besser. Schon Appetit bekommen? gs //

Tipps & Adressen

  • www.ueberdentellerrand.org Interkulturelles Kochen und Platz für Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung.
  • www.unser-dinner.de Plattform, um (unbekannte) Gäste einzuladen oder sich einladen zu lassen. Mit geprüften Profilen und in mehreren Städten. Wer nicht kochen mag, kann sich auch zum Restaurantbesuch verabreden.
  • www.eatwith.com Internationales Portal, auf dem man sich bei privaten Gastgebern, Kochkursen oder kulinarischen Touren anmelden kann – perfekt für Reisen!

Experten-Interview: 4 Fragen an Roman Witt und Arne Ewerbeck, Kochschule Kurkuma, Hamburg

Was ist eigentlich das Schöne daran, zusammen zu kochen?

Kochen ist etwas Entspannendes, Sinnliches, Beruhigendes und gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, sich kreativ auszutoben. Diese Aspekte bleiben auch beim gemeinsamen Kochen bestehen, werden aber durch die Gruppe noch verstärkt. Sich beim Kochen ganz ungezwungen kennenzulernen, miteinander Erlebnisse auszutauschen und Neues zu lernen, ist immer wieder eine tolle Erfahrung. Und das Beste kommt immer zum Schluss: das gemeinsame Essen!

An welche Momente in Kochkursen können Sie sich noch ganz besonders gut erinnern?

In den Kochkursen kommt es immer wieder zu tollen Momenten, vor allem dann, wenn die Teilnehmer ihre selbst zubereiteten Gerichte gemeinsam probieren und sich untereinander austauschen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Familie von acht Personen, die mit drei Generationen an einem Kurs teilgenommen hat. Kochen bringt eben einfach alle, egal ob jung oder alt, immer wieder zusammen!

Was passiert bei einem Kochkurs? Wie lange dauert er?

Nach einer kurzen Begrüßung und Kennenlernrunde wird gegen 18:30 Uhr mit dem gemeinsamen Kochen begonnen. Die begleitende Köchin am Abend erklärt den Teilnehmern parallel die zentralen Zubereitungsschritte und steht immer für Fragen zur Verfügung. Je nach Kurs gibt es bei wichtigen Zwischenschritten kurze Erklärungen oder Tipps für alle Teilnehmer. Das gemeinsame Kochen dauert je nach Kurs und Gruppengröße bis etwa 20 oder 20:30 Uhr. Im Anschluss essen alle gemeinsam an großer Tafel und tauschen sich über die verschiedenen zubereiteten Speisen aus. Gegen 21:30 bis 22 Uhr sind die Kurse in der Regel vorbei. Neben den Kursen am Abend finden am Wochenende auch Kurse am Vor- und Nachmittag statt.

Muss man etwas mitbringen? Wie viel kostet ein Kurs?

Mitbringen müssen die Teilnehmer nichts außer Lust und Freude am Kochen sowie einen guten Hunger. Wir freuen uns immer, wenn Vorratsdosen mitgebracht werden, damit übrig gebliebene Speisen mitgenommen werden können. Es gibt einen Kurs „Einstieg in die vegane Küche“, der 45 Euro kostet und besonders zum ersten Reinschnuppern geeignet ist. Alle anderen Kochkurse kosten 65 Euro. Darin inbegriffen sind jeweils die Speisen des Abends, Wasser vor Ort und die Rezepte des Kurses. Interesse?

Infos zur Kochschule Kurkuma: www.kurkuma-hamburg.de

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