So finden Sie den Flow

Flow

Sich konzentrieren, um besser abzuschalten? Kein Widerspruch. Im Gegenteil – permanente Zerstreuung durch vielerlei Reize macht uns unzufrieden und unruhig. Zeit, mal wieder voll und ganz in etwas aufzugehen. Wir haben ein paar Vorschläge für Sie. 

Schnell eine Whats-App-Nachricht schreiben, während eigentlich gerade die neueste Folge der Lieblingsserie läuft, und kamen da nicht eben die aktuellen Nachrichten per Push-Meldung rein? Die Welt der neuen Medien bietet uns permanent Reize, denen wir nur schwer widerstehen können. Denn unser Gehirn liebt das Neue und Unerwartete, deshalb sind diese Medienangebote auch so verführerisch. Was folgt, ist das latent unzufriedene Gefühl, nichts wirklich geschafft und Zeit vergeudet zu haben. Das ist nicht per se schlecht. Doch kann es uns mitunter so vorkommen, als hätten wir die Fähigkeit verlernt, uns zu konzentrieren. Überlegen Sie mal, wann Sie sich zuletzt in etwas richtig vertieft haben, sodass Sie das Gefühl hatten, die Zeit vergeht wie im Flug? Je besser wir uns auf etwas konzentrieren, desto besser können wir auch von Alltagsgedanken und -sorgen abschalten. Die Tätigkeit sollte uns jedoch weder unter- noch überfordern. Brettspiele sind übrigens auch bestens geeignet, uns voll und ganz in andere Welten zu entführen. Und wer weiß, vielleicht erreichen Sie dabei auch den berühmten Flow-Zustand (siehe Kasten).

Malen

Wann haben Sie zuletzt den Pinsel geschwungen? In der Schule? Vielleicht steckt in Ihnen ja sogar ein ungeahntes Talent? Zücken Sie doch mal wieder Farbe, Papier und Pinsel. Malen macht Freude, verbessert die Feinmotorik und Konzentrationsfähigkeit. Und wer sich wirklich nicht an ein weißes Blatt Papier herantraut, kann zu Buntstiften und Ausmalbuch greifen. Auch Malen nach Zahlen gibt es für Erwachsene: Hunderte bunte kleine Felder ergeben ein schönes Bild, das sich durchaus lohnt, an die Wand zu hängen.

Musikinstrument lernen

Sollten Sie den lang gehegten Wunsch haben, ein Instrument zu lernen, es sich aber bisher nicht getraut haben: nur Mut! In vielen Städten gibt es Musikschulunterricht für Erwachsene oder Privatlehrer, die ihr musikalisches Können weitergeben. Höchstwahrscheinlich lernen Sie langsamer als ein Kind – aber mit Übung, Durchhaltevermögen und vor allem Spaß können Sie doch gute Ergebnisse erzielen. Und es lohnt sich: Ein Instrument lernen ist Power-Fitness fürs Gehirn und eine der anspruchsvollsten menschlichen Tätigkeiten. Versuche mit erwachsenen Klavieranfängern haben gezeigt: Schon nach 20-minütigem Üben lassen sich neue Nervenverbindungen in den Bereichen Hören, Sinneswahrnehmung und Bewegung nachweisen.

Neue Sportart erlernen

Eine neue Sportart zu erlernen, beansprucht das Gehirn komplett. Kein Wunder, gilt es doch, neue Bewegungsabläufe, Regeln und Handlungssituationen zu verinnerlichen. Zuerst müssen Sie herausfinden, welche Sportart zu Ihnen passt. Sind Sie eher der Einzelkämpfer oder ein Teamplayer? Lieber an der frischen Luft oder drinnen? Was erhoffen Sie sich – Fitness, Herausforderungen, eine gute Figur? Fest steht: Sport macht nicht nur Muskeln, sondern auch das Gehirn fit. Experimente haben gezeigt, dass bei Bewegung der motorische Kortex, die Steuerzentrale für Bewegung und Koordination im Gehirn, aktiviert wird. Gleichzeitig kommt der präfrontale Kortex zur Ruhe, der für logisches Denken und Planen zuständig ist. Kurzum: Sport macht den Kopf frei. Danach können wir uns wieder mit frischer Energie dem Denken widmen.

Assoziatives Schreiben

Das Einzige, was Sie mittlerweile mit der Hand schreiben, sind Einkaufszettel? Dann könnte trotzdem das assoziative, kreative Schreiben etwas für Sie sein. Alles, was Sie benötigen, sind ein Blatt Papier, ein Stift und fünf bis zehn Minuten Zeit. Stellen Sie sich einen Wecker und schreiben Sie los – ohne nachzudenken, ohne Zensur, einfach frei heraus, was Ihnen in den Sinn kommt. Wenn der Wecker klingelt, lassen Sie den Stift fallen. Zugegeben: Literarische Meisterwerke werden wohl kaum entstehen. Aber Sie haben Ihrem kreativem Unterbewusstsein Raum gegeben und sich vielleicht sogar ein paar Sorgen von der Seele geschrieben. jab //

Der Flow-Zustand

Sie gehen völlig in einer Tätigkeit auf, verschmelzen quasi mit ihr? Stunden vergehen wie Minuten? Ihre Handlungen fließen spielerisch und leicht ineinanderüber? Herzlichen Glückwunsch, Sie haben den Flow-Zustand erreicht!

Dieses Stadium der unangestrengten, allumfassenden Konzentration können wir beim Sport, Malen, Schreiben, Musizieren, aber auch beim Backen, Kochen und vielen anderen Tätigkeiten erreichen. Wichtig: Das Tun muss intrinsisch motiviert sein, das heißt, die Tätigkeit wird um ihrer selbst willen ausgeführt, da sie als interessant, sinnvoll oder einfach unterhaltsam empfunden wird.

Um in den Flow-Zustand zu kommen, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Tätigkeit darf Fähigkeiten weder übersteigen und unterschreiten.
  • Die Handlungsziele müssen klar und transparent sein.
  • Die Tätigkeit sollte ohne Unterbrechungen ausgeführt werden.
  • Ergebnisse müssen unmittelbar erfahrbar und erkennbar sein (positive Rückmeldung).

Klavier lernen mit 27 – ein Selbstversuch

Ich habe mit 27 Jahren begonnen, Klavier zu lernen. Warum? Weil ich mich selbst herausfordern wollte. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich meinte, nichts Neues mehr zu lernen. Klaviermusik fand ich schon immer wunderschön und faszinierend. Gleichzeitig erschien mir das Piano als das Instrument, das ich am leichtesten erlernen konnte. Saxofon? Schon bei dem Gedanken bekomme ich Atemnot. Geige? Die armen Nachbarn …
Also suchte ich mir eine Musikstudentin, die als Zubrot Klavierunterricht gab. Die erste Stunde an ihrem E-Piano war aufregend: erste Fingerübungen, erste kleine Melodien, erste Fortschritte – als ich nach Hause fuhr, war ich tief beseelt. Das war ja nicht so schwer! Die Ernüchterung kam schnell: Es folgten immer anspruchsvollere Stücke und Tage und Wochen, in denen ich das Gefühl hatte, keinen Schritt weiterzukommen. Dann wieder Erfolgserlebnisse, wenn ich ein Stück meisterte, bei dem ich das nie gedacht hätte.
Als ich meine Klavierlehrerin wechselte, spielte ich zum ersten Mal auf einem richtigen Flügel. Was für ein Spielgefühl, was für ein Klang! Ich hatte das Gefühl, von null zu beginnen. Mittlerweile will ich das Spielen auf dem riesigen Instrument nicht mehr missen – zumal ich selbst nur ein E-Piano habe. Aber das reicht für mich, es wird doch keine Pianistin mehr aus mir. Dafür übe ich zwischen Alltag und Beruf viel zu wenig. Und wenn ich etwas vorspielen soll, bin ich so aufgeregt, dass ich mich glatt verspiele. Doch schaffe ich es, jeden Tag, und seien es nur 20 Minuten, zu üben. Regelmäßig merke ich Fortschritte, das spornt mich an, weiterzumachen – auch wenn ich vielleicht ein Leben lang nur für mich selbst spiele.

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