Slackline: Be balanced!

Slackline ausprobieren

(Bild: iStock groß)

Faulenzen war gestern: Auf der Slackline lassen sich Spiel und Fitness vereinen – und die Zeit vergeht dabei wie im Flug. Das macht gute Laune und stärkt zugleich die Tiefenmuskulatur, den Gleichgewichtssinn und die Konzentrationsfähigkeit.

Die Parkbesucher beäugen neugierig das gespannte Nylonband im Schatten der Walnussbäume. Es ist herrliches Sommerwetter – genau richtig, um die Sportart „Slacken“ auszuprobieren. Neulingen wird empfohlen, zunächst mit einem Fuß auf der Slackline stehen zu üben.

Ich denke mir, das kann gar nicht so schwierig sein, ziehe meine Socken aus und stelle den rechten Fuß auf das zwölf Meter lange Band. Doch noch bevor der linke Fuß den Boden komplett verlassen hat, geht die Wackelpartie los: ein erbarmungsloses Schwingen, nicht nur nach oben und unten, sondern auch nach rechts und links. Der Körper erzittert von der Fußspitze bis zum Scheitel. Ich bin froh, dass meine Freundin neben mir mit beiden Beinen auf dem Boden steht und mich stützt.

Schon nach wenigen Minuten merke ich erste Effekte. Die tief liegenden Muskeln zittern, weil diese Art der Bewegung ganz ungewohnt für den Körper ist. Jahrelanges Yoga üben hilft nur bedingt – ich muss auf dem Band mit dem Gleichgewicht kämpfen. Bei der Slackline ist nämlich nicht nur die statische Balance nötig, durch die wir auf einem Bein stehen können, auch die dynamische Balance kommt zum Einsatz, die eine stabile Körperlage ermöglicht, wie etwa beim Austarieren nach einem Sprungwurf beim Basketball.

Schon nach ein paar Versuchen entwickelt der Slacker ein besseres Körpergefühl. Konzentration und Reaktionsfähigkeit sind gefordert, denn immer wieder sind Ausgleichsbewegungen nötig. Auf der Slackline üben wir automatisch, verschiedene Körperteile wie Arme und Beine aufeinander abzustimmen. Diese Förderung der Kopplungsfähigkeit macht sich inzwischen auch die Physiotherapie zunutze – viele Sportler wie Skifahrer, Leichtathleten und Biathleten trainieren auf der Slackline. Aber auch bei Schlaganfall- und bei Schädelhirntrauma-Patienten kommt sie inzwischen zum Einsatz, um Sensomotorik und posturale Kontrolle zu schulen. So kann Stürzen vorgebeugt werden.

Slacken eignet sich zwar für alle Altersstufen, ein Arzt sollte aber konsultiert werden, falls Gelenkprobleme – insbesondere am Sprunggelenk – oder Osteoporose vorliegen. Wer das Laufen in luftiger Höhe schon ganz gut beherrscht, kann sich auf der Slackline hinlegen oder hocken, rückwärtsgehen, ein Buch auf dem Kopf balancieren oder einen Handstand ausprobieren.

Es müssen nicht gleich die Kunststücke der Slackline-Profis sein: Sie schlagen Räder, schwingen in alle Richtungen und vollführen atemberaubende Sprünge und Saltos. Wer sich das einmal aus der Nähe anschauen möchte, kann am 6. Juli 2014 nach München zum Globetrotter Slackline WorldCup fahren, der im Rahmen des Münchner Sportfestivals stattfindet.

Eine Slackline kostet für Einsteiger zwischen 50 und 100 Euro. Sie lässt sich über Sand, Gras oder Matten aufspannen. Für einen Nachmittag in freier Natur sollte unbedingt ein Baumschutz gekauft werden, denn die Spezialmatte schont die Bäume. Alternativ kann das Nylonband auch mittels Metall-Ankern über dem Boden befestigt werden.

Haben Sie auch Lust bekommen? Wenn Sie die finanzielle Investition noch scheuen, schauen Sie im nächstgelegenen Park vorbei – vielleicht haben Sie ja Glück und finden ein paar Slacker. Und wenn Sie diese nett fragen, werden Sie bestimmt eingeladen, das Slacken direkt auszuprobieren. (lb)

Perfekt vorbereitet für den Tanz auf dem Band

  • möglichst vorher aufwärmen, um Verletzungen vorzubeugen, und hinterher dehnen, um den Muskelkater zu reduzieren
  • alle fangen einmal klein an: die Slackline zunächst niedrig und kurz und mit der Zeit immer ein wenig höher spannen und die Distanz schrittweise steigern – für jeden Zweck (kurze, weite Strecke oder Springen) gibt es eine spezielle Slackline
  • in der Mitte des Bandes schwingt die Slackline am wenigsten, Anfänger beginnen daher am besten zuerst an dieser Stelle
  • den Schwierigkeitsgrad langsam steigern – von Stehen über Schwingen zu Gehen üben – und dann einfach kreativ werden
  • die Knie nie ganz durchstrecken, Arme ausbreiten und den Blick geradeaus richten – das hilft dabei, die Balance zu halten
  • Hilfsmittel sind erlaubt: Mit einer helfenden Hand oder gespannten Hilfslinie entwickeln Sie ein Gefühl für die Slackline
  • kurz, lang, dick oder dünn – die Nylonbänder zum Slacken unterscheiden sich in vier Kategorien: slack (Durchhang), grip (Oberflächenbeschaffenheit), flex (Elastizität) und swing (Schwingungsverhalten) – Beratung gibts im Fachgeschäft

Infos und News rund ums Slacken:

www.slackliner.de
www.slackline-tipps.de
www.gibbon-slacklines.com
www.m-net-muenchner-sportfestival.de

Buchtipps:

Macht Lust aufs Slacken: Fritz Miller/Daniel Mauser, Lehrbuch Slackline: Tipps, Tricks, Technik (inkl. DVD), 2012, 19,80 €, 978-3-9367-4053-0.
Super für Einsteiger aber auch für Fortgeschrittene: Samuel Volery/Tobias Rodenkirch, Slacklinen: Praxiswissen vom Profi zu Ausrüstung, Technik und Sicherheit, 2012, 19,95 €, 978-3-7654-5823-1.

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