Schmerzhafte Wucherungen

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Endometriose ist die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung. Doch sie bleibt oft unerkannt, obwohl sie das Leben der Betroffenen teils gravierend einschränkt. medpex erklärt, woran man die Krankheit erkennt und wie sie sich behandeln lässt.

Jeden Monat quälende Schmerzen, wenn die Periode kommt? „Gehört dazu, hab dich nicht so“, hören viele Betroffene aus ihrem Umfeld. Unkenntnis und eine Tabuisierung der Menstruation – auch heute noch – sind oft der Grund, warum Frauen mit diesen Problemen nicht ernst genommen werden und eine mögliche Ursache lange nicht erkannt wird: eine Endometriose. „Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung vergehen im Durchschnitt sechs Jahre“, erklärt die Endometriose-Vereinigung Deutschland. Nach Schätzungen von Fachleuten sind zwischen acht und 15 Prozent aller Frauen zwischen Pubertät und Wechseljahren betroffen. Die höchste Wahrscheinlichkeit, dass eine Endometriose auftritt, liegt im Alter von 35 bis 45 Jahren.

Endometriose: Gewebe, wo es nicht hingehört

Bei der Unterleibserkrankung siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter an. Solche Endometriose-Herde verhalten sich wie die Gebärmutterschleimhaut: In der ersten Hälfte des Zyklus wächst das Gewebe heran und wird am Ende abgestoßen. Da Blut und Gewebereste aber nicht über die Scheide abfließen können, verbleiben sie in der Umgebung des Endometriose-Herds und führen dort zu Entzündungen sowie Zysten, Verklebungen und Verwachsungen. Warum aber entstehen solche Endometriose-Herde? Hier ist noch vieles unklar. Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut können – möglicherweise schon bei der Entwicklung des Fötus – in andere Bereiche des Körpers gelangt sein. Denkbar ist auch, dass sich bestimmte Zellen außerhalb der Gebärmutter in Endometrium-Zellen umwandeln. Vermutlich spielen Hormone, das Immunsystem und eine familiäre Veranlagung dabei eine Rolle.

Schmerzherde an vielen Stellen

Die Endometriose äußert sich sehr unterschiedlich und variiert ihr Erscheinungsbild. Landläufig spricht man daher auch vom Chamäleon der Gynäkologie. Manchmal spürt eine Frau nichts davon, häufig ist Endometriose aber eine chronische Erkrankung, die starke Beschwerden verursacht: Unterleibsschmerzen während der Periode, beim oder nach dem Sex, die krampfartig in den Unterbauch, den Rücken und die Beine ausstrahlen können. Wo genau die Schmerzen auftreten, hängt davon ab, wo sich Endometriose-Herde festgesetzt haben. Wenn die Eierstöcke oder Eileiter befallen sind, ist oft die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Eine Endometriose kann die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark einschränken und auch Partnerschaft, Familienund Lebensplanung beeinflussen. Eine lustvolle Sexualität kann erschwert sein, chronische Schmerzen können zu Müdigkeit, Reizbarkeit oder depressiven Verstimmungen führen. Betroffenen Frauen kann es schwerfallen, ein positives Verhältnis zum eigenen Körper zu entwickeln.

Diagnose und Behandlung 

Für die Diagnose ist es oft hilfreich, ein Schmerztagebuch zu führen. Bei einer Tastuntersuchung kann die Ärztin oder der Arzt neben der Scheide den Enddarm, den Bereich hinter der Gebärmutter und die Gebärmutterbänder abtasten. Auch durch Ultraschall lassen sich Endometriose-Herde orten. Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) – eine kleine Operation mit Gewebeentnahme – dient der sicheren Diagnose; dabei lassen sich Endometriose-Herde gleich auch entfernen. Zur Behandlung können Hormone eingesetzt werden; in Frage kommen hormonelle Verhütungsmittel oder sogenannte GnRH-Analoga, die die Bildung des Hormons Östrogen unterdrücken. Schmerz- und krampflindernde Medikamente können den Leidensdruck mildern. Manche Betroffene haben durch eine Umstellung ihrer Ernährung Besserung bewirkt, andere vertrauen auf Hausmittel wie Wärmflasche oder ein warmes Wannenbad. Auch Bewegung, Akupunktur und Entspannungsverfahren können sich positiv auswirken. In einer Selbsthilfegruppe kann man im gegenseitigen Austausch Unterstützung geben und erfahren.

Den eigenen Weg finden

Auch wenn Endometriose nicht vollständig heilbar ist, gibt es doch tröstliche Aspekte: Es ist extrem selten, dass sich aus Endometriose-Herden Krebs entwickelt. Und es gibt Phasen, in denen die Erkrankung Ruhe hält: In Schwangerschaft und Stillzeit ist die Erkrankung rückläufig und nach der letzten Regelblutung (Menopause) klingen die Beschwerden meist ab. Wichtig ist es, den eigenen Körper und seine Reaktionen kennenzulernen und eine individuelle Therapie zu finden, die auf die persönlichen Lebensumstände und die Ausprägung der Erkrankung abgestimmt ist. Dann können viele Frauen recht gut mit Endometriose leben.

Infos, Selbsthilfegruppen und mehr unter www.endometriose-vereinigung.de

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