Entspannung auf Nadeln

Mithilfe vieler kleiner Plastiknadeln sollen Akupressurmatten Verspannungen und Schmerz lindern. Die Technik stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Hilft das im Alltag? Unsere Autorin hat die Matte ausprobiert.

Immer mehr Menschen leiden an Rückenschmerzen, Muskelverspannungen oder Durchblutungsproblemen. Die Gründe dafür sind vielfältig, oft liegt es aber an zu wenig Bewegung, schlechter Haltung, Stress oder einer Kombination dieser Faktoren. So ist das zumindest bei mir. Es gibt Phasen, da sorgen lange Arbeitstage, Hektik und wenig Zeit für Sport dafür, dass sich meine Rückenmuskulatur so sehr verspannt, dass ich am liebsten nie wieder aufstehen möchte. Ob mir eine Akupressurmatte helfen kann? 

Energielinien im Körper

Akupressur stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin und beschreibt die Stimulation von Energiepunkten im Körper mit sanftem Druck. Sie beruht auf der Annahme, dass unseren Körper Energielinien durchziehen. Ist der Energiefluss der sogenannten Meridiane gestört, führt das zu Schmerz und Krankheiten. Um das zu verhindern oder um Schmerzen zu lindern, wird bei der Akupressur mit Fingern Druck auf bestimmte Punkte entlang der Energiebahnen ausgeübt. Das soll die Blockaden lösen und die Selbstheilungskräfte des Körpers stärken. Darauf zielen auch Akupressurmatten und -kissen ab. Anstatt einzelner Finger kommen bei den Matten viele kleine Plastiknadeln zum Einsatz. Die weichen, meist mit Schaumstoff gefüllten Baumwollmatten sind dabei je nach Größe mit 6 000 bis 9 000 kreis- oder rautenförmig angeordneten Nadeln besetzt. Diese pressen sich in die Haut und üben einen leichten Druck aus. Der soll den Kreislauf anregen und Verspannungen im Körper auflockern. Für einen spürbaren Effekt sollte die Matte regelmäßig, am besten täglich genutzt werden. Denn eine Wirkung zeigt sich erst mit der Zeit, da sich der Körper an den Druck auf der Haut erst einmal gewöhnen muss. Anfänger sollten mit zehn Minuten starten und die Dauer langsam steigern. Ob viele Nadeln auch viel helfen? Ich rolle die Matte zum ersten Mal aus und bin skeptisch. Auch wenn die kleinen Nadeln nicht sehr spitz sind – das Nagelbett sieht alles andere als einladend aus. Ein leichtes Baumwollshirt, dünne Socken oder ein Tuch als leichte Hautbarriere sind für den Einstieg übrigens vollkommen okay. Ich nehme diesen Tipp gerne an und lege mich erst mal mit Shirt auf die Matte. Ich schließe die Augen, atme tief ein und versuche mich zu entspannen. Leichter gesagt als getan, es pikst ganz schön. Nach zehn Minuten ist mein erster Test vorbei und ich fühle mich eher unwohl. Die Abdrücke in meinem Rücken sind unangenehm
und Entspannung hat sich auch keine eingestellt. Am nächsten Tag geht es weiter.

Geistige Entspannung

Die Matten sollen nicht nur dem körperlichen Schmerz entgegenwirken, sie laden auch zur geistigen Entspannung ein. Für eine Weile nichts tun, stillhalten, zur Ruhe kommen und dem Körper erlauben, sich auf die Situation einzulassen. Das bedeutet auch, kleine Unannehmlichkeiten auszuhalten. Genau das fällt mir schwer. Sobald es an einer Stelle zu piksen oder drücken beginnt, möchte ich mich bewegen und dem Schmerz ausweichen. Dass Bewegung nur Unruhe und mehr Schmerz verursacht, habe ich bei der regelmäßigen Nutzung der Matte schnell gelernt. Ein paar tiefe Atemzüge helfen hingegen viel besser. Auch die Wärme, die sich nach ein paar Minuten auf der Matte über meinem Rücken ausbreitet, ist mittlerweile angenehm und bringt meinen Kreislauf in Schwung. Mein Fazit bisher: Auch wenn meine Verspannungen nach zehn Tagen Anwendung noch im Rücken sitzen, habe ich das Gefühl, dass die Akupressurmatte meine Muskulatur unterstützt. In jedem Fall tut mir die tägliche Auszeit auf der Matte gut und ich glaube, ich werde sie auch weiterhin nutzen. So kann ich mir gut vorstellen, sie künftig unterstützend zu verwenden, zur Regeneration nach dem Sport zum Beispiel.

kv //

So wenden Sie die Akupressurmatte an

Akupressurmatten und -kissen eignen sich zur Anwendung am gesamten Körper, wobei das Liegen auf dem Rücken die bekannteste Variante ist. Das Gewicht verteilt sich hier auf einen relativ großen Bereich und die Nadeln erreichen gleich mehrere Energiepunkte entlang der Wirbelsäule.

• RÜCKEN: Legen Sie sich gerade mit dem gesamten Rücken auf die Matte und verschränken die Arme vor dem Körper. Fangen Sie mit einer Liegedauer von zehn Minuten an und steigern Sie sie nach ein paar Tagen. Fortgeschrittene können die Matte 30 Minuten und länger nutzen.

• NACKEN: Für einen verspannten Nacken eignet sich besonders ein rundes Akupressurkissen. Wer keines besitzt, legt einfach ein zusammengerolltes Handtuch unter die Matte. Auf dem Rücken liegend können die Nadeln so am besten auf die Nackenmuskulatur wirken. Auch hier gilt: Langsam beginnen und stetig steigern.

• FÜSSE: Stellen Sie sich mit dem gesamten Körpergewicht gerade auf die Matte. Egal ob Sie stillhalten oder etwas auf der Stelle treten, die Nadeln vitalisieren müde Füße. Ideal, um den Körper am Morgen in Schwung zu bringen.

• WADEN: Schwere Beine? Am besten lagern Sie die Beine hoch (auf einem Kissen oder Hocker) und legen dann die Matte darunter. Das regt die Zirkulation an.   

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

4 × 3 =