Ab in die Wildnis

Nationalparks in Deutschland: Die wilde Schönheit

Nationalparks in Deutschland: Die wilde Schönheit

Sie sind das Wohnzimmer seltener Wildtiere und Pflanzen, beherbergen Pilze und Insekten – in Nationalparks wird der ursprüngliche Lebensraum vielfältiger Arten geschützt und gleichzeitig die Schönheit der Natur erhalten. In Deutschland gibt es 15 dieser Art, von flachen Wattlandschaften bis hin zu majestätischen Felsformationen bieten sie beeindruckende Naturerlebnisse. Fünf davon stellen wir hier vor.

Schon als Kind war es für mich das größte Glück, im angrenzenden Wald ein Stück wilde Natur zu entdecken. Die Klettergewächse, die sich an den Bäumen hochrankten, erinnerten mich an Mogli und das Dschungelbuch. In den Höhlen, die sich unter den Wurzeln an steilen Abhängen oberhalb des Weges bildeten, suchte ich mit Freunden nach Kobolden oder errichtete eine eigene urzeitliche Wohnstätte. Diese unberührte Natur meiner Kindheitserinnerung ist in vielen Teilen Deutschlands jedoch eher eine durch Land-, Forst- oder Wasserwirtschaft kultivierte Landschaft.
In Nationalparks allerdings geht man vorsichtiger mit ihrer ursprünglichen, wilden Schönheit um. Die Philosophie lautet hier: „Natur Natur sein lassen.“ Nationalparks sind daher großräumige Schutzgebiete, größtenteils naturbelassen und weisen besondere Ökosysteme auf. Zu großen Teilen müssen auch die Voraussetzungen eines Naturschutzgebietes (zum Beispiel Biotope und Lebensgemeinschaften bestimmter wild lebender Tier- und Pflanzen-arten) erfüllt sein. Die Spuren kultureller und wirtschaftlicher Nutzung dürfen entweder kaum vorhanden sein oder die Entwicklung hin zu einem ungestörten Zustand muss in einem auf Jahrzehnte angelegten Managementplan gewährleistet werden. Wer Nationalparks besucht, soll auch die Möglichkeit zur Forschung, naturkundlichen Bildung und Erholung haben, wenn dadurch die natürlichen Vorgänge nicht erheblich gestört werden. Im Gegensatz zu Naturparks, Biosphärenreservaten und Landschaftsschutzgebieten, in denen nachhaltige Nutzung möglich ist und es auch um den Schutz kulturhistorischer Güter geht, sind in Nationalparks Land-, Forst-, Wasserwirtschaft, Jagd oder Fischerei nicht oder nur unter strikten Vorgaben der Naturschutzbehörden erlaubt.

Viele deutsche Nationalparks sind noch im Entwicklungsstadium, erfüllen also bisher nur teilweise die geforderten Kriterien. Die 15 Nationalparks machen aktuell nur 0,57 Prozent der deutschen Landfläche aus. Die Landesregierungen einiger Bundes-länder planen aber die Gründung weiterer Parks – zur Freude aller Naturfreunde. Denn der Trend „Zurück zur Natur“ äußert sich nicht zuletzt darin, dass auch Großstädter vermehrt zum Wandern in die Berge fahren oder ihre Ernährung nach Steinzeit-Vorbild gestalten. Es müssen eben nicht der Grand Canyon oder die Everglades sein – das Nationalparkerlebnis wartet direkt vor der Haustür. Und vor allem Kinder können hier ein Bewusstsein für Umweltwerte entwickeln und ihre natürliche Neugierde befriedigen. Viele Nationalparks haben familienfreundliche Freizeitangebote im Programm oder bieten spezielle Veranstaltungen für Kinder und Schulklassen an. Das Gleiche gilt natürlich auch für Erwachsene. Willkommen in der Wildnis! (mgk)

Sächsische Schweiz

Gründung 1990
Gesamtfläche 9 350 ha
Geschützte Lebensräume Sandsteinfelsen, submontane wärme- und trockenheitsliebende Wälder, Schlucht- und Schatthangwälder
Website www.nationalpark-saechsische-schweiz.de

Hier fließt die Elbe zwischen majestätischen Tafelbergen hindurch, skurrile Felsgebilde und wilde Schluchten prägen das Bild. Wanderwege und Kletterfelsen sind (zum Leidwesen mancher Tiere) gut besucht, da der Park von Dresden aus mit der S-Bahn erreichbar ist. Neben Fichten kann man hier die vom Aussterben bedrohte Weißtanne entdecken. Die Sächsische Schweiz geht übrigens direkt in den tschechischen Nationalpark Böhmische Schweiz über.

BayerischerWald

Gründung 1970
Gesamtfläche 24 217 ha
Geschützte Lebensräume Buchen-Bergmischwälder mit Tanne, Hochlagen-Fichtenwälder, Moore, Berg–bäche, Blockhalden
Website www.nationalpark-bayerischer-wald.de

Er war der erste deutsche Nationalpark. Das Bestreben ist hier groß, den Wald in seinen wilden Urzustand zurückkehren zu lassen – auch Totholz und Borkenkäfer gehören zum natürlichen Waldkreislauf und sorgen für Artenvielfalt. Auf den gut markierten Wanderwegen und märchenhaften Erlebniswegen, die von der Selbstheilungskraft der Natur zeugen, kann man diese Wildnis am besten erleben. Auch Radwege führen nah an die Höhepunkte des Parks heran.

Kellerwald-Edersee

Gründung 2004
Gesamtfläche 5 738 ha
Geschützte Lebensräume Submontane, bodensaure Buchenwälder, felsig-trockene Steilhänge, Waldwiesen
Website www.nationalpark-kellerwald-edersee.de

In ihm findet man einen der letzten großen naturnahen Buchenwälder in Mitteleuropa. Manche Buchen sind sogar älter als 160 Jahre. Der Kellerwald zählt seit 2011 zur deutschen Erweiterung der UNESCO-Welterbestätte „Buchenurwälder der Karpaten“. Sogar die Wildkatze kann einem hier begegnen! Das Motto des Parks lautet „Wildnis erleben, mit allen Sinnen“ – Erholungs-, Aktivurlauber, Kinder und Forscher kommen bei einem umfangreichen Programm auf ihre Kosten. Ein Parkbesuch ist gut mit Wassersport- oder Badeurlaub am klaren Edersee zu verbinden.

Müritz

Gründung 1990
Gesamtfläche 32 200 ha
Geschützte Lebensräume Kiefern- und Buchenwälder, Erlen- und Birkenbruch, Seen, Röhrichte, Moore
Website www.mueritz-nationalpark.de

Der nach dem größten See Norddeutschlands benannte Nationalpark enthält eine Fülle botanischer Raritäten. Neben seinem als Weltnaturerbe anerkannten Buchenwald bietet er insgesamt 108 unterschiedliche Seen, auf denen man teilweise Kanu fahren kann, außerdem Feuchtwiesen, Moore und Röhricht, wo Kranich und Rohrdommel sowie Fisch- und Seeadler brüten. Hervorragende Infrastruktur mit Wander- und Radwegen sowie eigener Buslinie, acht Infostellen, Zeltplätze und zahlreiche regionale Partner-Dienstleister erleichtern das Naturabenteuer.

Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Gründung 1985
Gesamtfläche 441 500 ha, davon ca. 97,7 % Wasserfläche
Geschützte Lebensräume Wattenmeer-Ökosysteme, Salzwiesen des Vorlandes, Sandbänke und Dünen
Website www.wattenmeer-nationalpark.de/sh

Deutschlands größter Nationalpark zählt seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Neben Watt, Stränden und Dünen gehören auch Halligen und Inseln zum Schutzgebiet. Eine außergewöhnliche Artenvielfalt an Schnecken, Muscheln, Wattwürmern oder Vögeln ist perfekt an die Gezeiten im Watt angepasst. Auf den Salzwiesen leben weltweit einzigartige Tierarten und Ökotypen. Brutvögel, Hunderte Insektenarten, Seehunde und Robben sind zahlreich anzutreffen. Mit Schiff, Fahrrad oder zu (Bar-)Fuß kann man hier die besondere Faszination eines einmaligen Ökosystems erleben.

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