Kajak fahren

Kajak fahren ist Natur pur!

Zum Dahingleiten: Eine Kajaktour über ruhige Gewässer und dabei Sonnenstrahlen auf der Haut – was könnte schöner sein?

Wasser ist Ihr Element? Dann könnte das Kajak Ihr Sportgerät des Sommers sein. Flüsse, Seen, verträumte Buchten oder malerische Küstenlinien – von seiner Freundin überredet, erlebte unser Redakteur die Natur aus einem neuen Blickwinkel.

Mit sanfter Strömung geht es den Leopoldskanal entlang. Still ist es, grün, die dichten Blätter der Erlen am Ufer schützen vor der Mittagssonne. Einen Eisvogel haben wir bereits gesehen, mehrere Entenfamilien überholt. Ich tauche mein Paddel links ein, dann rechts. Nehme etwas Tempo auf, lasse mich durchs Wasser gleiten. „Du hast recht“, sage ich mit einem Seufzen zu Stephanie, die mich zu dieser Kajaktour überredet hat, „Wasserwandern hat wirklich nichts mit Wandern zu tun. Ich glaube, Kajak wird mein neuer Sport.“

„Dachte ich mir“, antwortet meine Freundin und zieht mit zwei Schlägen neben mich. „Der Sport für etwas schwerere Leute. Denn du musst ja dein Gewicht nicht selber tragen.“
„Das hier ist wie im Dschungel!“ Ich ignoriere ihre Anspielung. „Ich wusste gar nicht, dass wir so was Schönes hier in der Nähe haben.“ Noch vor einer Stunde waren wir im dichten Verkehr der A 5, nun paddeln wir nur wenige Kilometer von der Autobahn entfernt durch urwaldähnliche Auenwälder, liebliche Wiesenlandschaften und zauberhaft anmutende Seen. Wir sind im Taubergießen, einem der größten Naturschutzgebiete Baden-Württembergs.

 

„Du machst dich gut!“, bekomme ich wenig später zu hören. Das Kompliment macht mich stolz. Und ich weiß, es stimmt. Denn inzwischen habe ich das Lenken mit dem Doppelpaddel richtig gut raus. Am Anfang habe ich mich in dem offenen Kajak wie ein Vollidiot gefühlt. Wie muss ich das Paddel halten? Wie paddele ich, damit ich mich nicht im Kreis drehe? Wieso sitzt man so komisch und wieso ist das überhaupt so wacklig?

Doch inzwischen habe ich den Schlag raus, sozusagen. Und genieße es von Minute zu Minute mehr. Auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich morgen einen fürchterlichen Muskelkater im Schulterbereich und in den Armen haben werde, denn anstrengend ist es schon, das Paddeln im Kajak. Doch es lohnt, denn noch nie habe ich die Natur intensiver erlebt als momentan vom Kajak aus.

„Man sagt zwar, Kajak ist Entschleunigung pur, Dahingleiten im doppelten Sinn“, stört meine Begleitung die meditative Stille, „aber wenn du etwas intensiver paddeln würdest, dann wäre es sogar etwas Training für das Herz-Kreislauf-System.“
„Vielleicht irgendwann!“, antworte ich. „Aber du hast selbst gesagt, als Anfänger sollte man es ruhig angehen lassen.“ Doch wer weiß, vielleicht entwickele ich noch Ambitionen in Richtung Wildwasser und Olympische Spiele. Was mich zusätzlich beruhigt: Kajakfahren gilt als eine sichere Sportart. Wenn man sich mit den sicherheitsrelevanten Dingen auskennt, die Schwimmweste anhat und gegebenenfalls einen Helm trägt, kann eigentlich, zumindest in den meisten Binnengewässern, nichts passieren. Einst war das Kajak das Jagdgerät der Inuit, doch von Alaska ausgehend hat das Kajak, dem Bootstyp Kanu zugehörig, inzwischen seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Und spätestens seit die schlanken, langen Flitzer nicht mehr aus Holz oder gewachstem Tuch bestehen, sondern aus stabilem Kunststoff, sind sie im Breitensport wie auch in den Wettkampfsportarten nicht mehr wegzudenken. Besonders Kinder haben am Paddeln im Kajak ihr Vergnügen. Ob Wasserwandern im Freizeitkajak, ob Freestyle oder Kanupolo, Kajaks sind Trend.

Das Einfachste: ein Kajak einfach ausleihen. Und daher gibt es auch immer mehr Vereine und Verleihstationen, wo man diesen Sport einmal ganz risikolos ausprobieren kann. Wo Wasser fließt, kann man inzwischen auch meist ein Kajak mieten. Und wenn man sich auf YouTube die Filmchen ansieht, die begeisterte Kajakfahrer von ihren Touren ins Netz gestellt haben, so bekommt man einfach Lust, selbst loszupaddeln. Fachzeitschriften und Handbücher geben Auskunft über die schönsten Strecken und was den Paddler unterwegs erwartet.

„Was kostet eigentlich ein eigenes Kajak?“, frage ich am Ende unserer dreieinhalbstündigen Tour, als wir in Wittenweiler am Ufer unterhalb des Bootshauses der Marinekameradschaft unsere Boote aus dem Wasser heben. „Das geht los bei 600 bis 700 Euro“, dämpft Stephanie meine Begeisterung. „Hält dafür aber ewig. Ausleihen ist günstiger, kostet nur 30 Euro pro Tag.“ (tf)


Steckbrief

Ausrüstung
Saisonabhängige Freizeitkleidung. Neben Boot und Doppelpaddel gehören eine Schwimmweste und je nach Gewässer auch ein Helm zur Grundausrüstung. Beides wird vom Verleiher gestellt. Wer den Wunsch nach einem eigenen Boot verspürt, kann zwischen zahlreichen Bootstypen wählen.

Zielgruppe
Familien, Erlebnisurlauber, Sportler, keine Nichtschwimmer

Kosten
Je nach Bootstyp liegt der Verleihpreis zwischen 5 und 8 € pro Stunde, Halbtagesmiete zwischen 12 und 25 €, Tagesmieten zwischen 20 und 40 € (inkl. Zubehör).
Kaufpreis Kajak ab ca. 600 €, nach oben offen

Gesundheitliche Aspekte
Ausdauertraining an der frischen Luft, Kräftigung der Schulter-, Arm-, Brust- und Rückenmuskulatur

Verletzungsrisiko
Paddeln, ob im Kajak oder Kanu, ist an sich nicht gefährlich. Besondere Risiken bestehen auf Wildwasser und an der Küste. Diese Gewässer sollten nur mit besonderer Ausrüstung und von geübten Paddlern befahren werden. Fortgeschrittener Kanusport erfordert Geschicklichkeit, Körperbeherrschung und Kondition.


Weitere Infos unter
Deutscher Kanu-Verband: www.kanu.de
Bundesverband Kanu: www.kanutouristik.de

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *