Jeden Monat wieder

Bauchkrämpfe während der PeriodeMenstruationsbeschwerden sind so alt wie die Menschheit. Viele Frauen leiden einmal im Monat unter ihnen. Eine breite Palette an Medikamenten und sanften Hausmitteln kann Abhilfe schaffen.

Die Zeiten ändern sich und von den Tipps, die ein deutscher Frauenarzt den Leserinnen seines Ratgebers 1979 mitgab, um Menstruationsbeschwerden zu lindern, ist heute nur noch bedingt die Rede. Bei nicht allzu starken Schmerzen riet er zu einem heißen Bad oder zu einer Wärmflasche, zu zwei Tassen Kaffee – oder auch zu einem doppelten Kognak. All diese Mittel, schrieb er, hätten den gleichen Effekt: die Blutgefäße zu erweitern und so Krämpfe zu lösen.

Therapien mögen mit der Zeit gehen, an der Ursache der Beschwerden hingegen hat sich seit Jahrtausenden nichts geändert. In der Gebärmutter reift alle paar Wochen nach dem Eisprung eine Schicht Schleimhaut heran. Ihre Aufgabe ist es, ein befruchtetes Ei aufzunehmen. Ist keines da, krampft sich die Gebärmutter am Ende des Zyklus zusammen, um die Schleimhaut abzustoßen. Sie blutet ab, über vier oder fünf Tage hinweg, mitunter in einer Art Dauerkrampf. Vor allem während der ersten beiden Tage tut das oft weh. „Das liegt vor allem an Prostaglandinen, Botenstoffen, die die Schmerzwahrnehmung intensivieren können“, erklärt der Frauenarzt Michael Bernhard. Leichte Schmerzen während der „Tage“ sind also im Grunde etwas Natürliches.

Mögliche Ursachen

Wenn Frauen ihn in seiner Heidelberger Praxis aufsuchen und über Menstruationsbeschwerden klagen, über starke Schmerzen im Unterleib und manchmal auch im Rücken, fragt er zunächst immer, ob das Problem schon lange besteht oder erst kürzlich aufgetreten ist, und er untersucht sie, um Krankheiten auszuschließen. Eine Kombination aus Ultraschall- und Tastuntersuchung soll Klarheit bringen. So steckten etwa mitunter Myome, gutartige Geschwülste, hinter den Schmerzen, sagt Bernhard, und auch eine vergrößerte Gebärmutter komme in Betracht. Manchmal gehen die Beschwerden auf eine Endometriose zurück, auf versprengte Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle. Oft bleibt diese Krankheit unentdeckt: „Acht bis zehn Prozent der Frauen leiden an Endometriose, aber nur in jedem zweiten Fall wird sie auch diagnostiziert“, sagt der Gynäkologe.

Menstruationsbeschwerden, hinter denen sich kein weiteres Leiden verbirgt, sind über die Altersgruppen hinweg nicht gleich verteilt. „Sie treten häufig bei jungen Mädchen auf, begleiten sie über mehrere Jahre und verschwinden dann nach und nach, spätestens nach der ersten Geburt“, meint Christian Albring, Gynäkologe aus Hannover und Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Warum die Schmerzen mit zunehmendem Alter nachlassen, wisse man aber nicht genau: „Möglicherweise liegt es daran, dass nach einer Geburt der Muttermund nicht mehr so eng verschlossen ist, sodass Schleimhaut und Blut leichter austreten können und in der Gebärmutter nicht mehr ein so hoher Druck aufgebaut werden muss.“

 Mittel gegen Menstruationsbeschwerden

Bei starken Schmerzen nehmen manche seiner Patientinnen Schmerzmittel oder krampflösende Medikamente. „Für beide gilt, sie nach Möglichkeit schon zu Beginn der Menstruation einzunehmen, bevor die volle Schmerzsymptomatik eingetreten ist“, rät Albring. Andere setzen auf die Naturheilkunde. Aber was pflanzliche Mittel angeht, gibt er zu bedenken, dass nicht jedes Mittel für jede Art von Menstruationsbeschwerden gleichermaßen gut geeignet sei. Obwohl sich viele seiner Patientinnen zunächst nicht vorstellen könnten, mit Menstruationsbeschwerden Sport zu treiben, stellen manche von ihnen fest, dass die Beschwerden vom Training verschwinden – vorausgesetzt, sie bewegen sich regelmäßig und holen die Laufschuhe nicht erst während der Regel raus. Auch mit Wärmflaschen und Entspannungsübungen hätten einige seiner Patientinnen gute Erfahrungen gemacht, berichtet Albring. Stress und Schlafmangel andererseits scheinen die Beschwerden jedoch zu verstärken.

Auch hormonelle Verhütung kann ein Weg sein, Regelschmerzen loszuwerden. „Viele Sorten der Pille sind Östrogen-Gestagen-Kombinationen und auch Hormonspiralen geben permanent Gestagen ab“, sagt Michael Bernhard. Gestagen hemmt den Aufbau der Schleimhaut, und wo wenig wächst, blutet auch nur wenig ab; Beschwerden lassen nach oder verschwinden sogar ganz. Doch trotz dieser Annehmlichkeiten sind solche Präparate nicht für all seine Patientinnen das Medikament ihrer Wahl. Manche lehnen hormonelle Verhütung grundsätzlich ab, andere fürchten ein erhöhtes Risiko einer Thrombose. Diese Entscheidung muss jede Frau für sich treffen und individuell testen, welche Mittel und Methoden ihr helfen und guttun.

Die bewährtesten Hausmittel auf einen Blick
Wärme: Eine heiße Wärmflasche oder ein heißes Bad wirkt entkrampfend, das entspannt die Muskulatur und fördert die Durchblutung. Leichte Massagen unterstützen zusätzlich.

Bewegung: Sport, Entspannungsübungen und Meditation können wie ein Schmerzmittel wirken, weil dadurch Verkrampfungen gelöst werden – jedoch meist nicht auf Knopfdruck, sondern wenn Sie es regelmäßig praktizieren.

Pflanzliche Mittel: Ein Tee aus Damianablättern, Frauenmantelkraut und Schafgarbe kann Regelschmerzen lindern. Kräutertees sind aber nicht für jeden gleichermaßen zu empfehlen. Und Achtung: Bei starker Blutung auf Damianablätter verzichten und stattdessen die anderen Kräuter höher dosieren. Mönchspfeffer (als Kapsel, Tablette oder Tropfen) kann helfen, den Zyklus zu stabilisieren.

Ernährung: Eine magnesium- und kalziumreiche Kost kann entspannend wirken. Auch Vitamin B6 und Omega-3-Fettsäuren können helfen. Unsere Top 4: Sonnenblumenkerne, Lachs, Bananen, Walnüsse. Möglichst auf Koffein, viel Zucker, Nikotin und Alkohol verzichten, das kann Krämpfe begünstigen. Viel Wasser trinken!

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