Harnwegsinfekt: So bleibt die Blase gesund

Das Leiden ist unter Frauen weit verbreitet. Doch es gibt Wege, vorzubeugen und die Heilung zu beschleunigen

Behandlungs-Tipps

Urin ansäuern: Keime gedeihen schlecht im Sauren. Um einer Blasenentzündung vorzubeugen, rät Apothekerin Christa Keul aus Pöcking (Oberbayern), den Urin anzusäuern. „Wer zu Harnwegsinfekten neigt, sollte vor einem Bade- oder Skiurlaub vorsorglich Cranberry-Produkte oder Präparate mit dem Wirkstoff Methionin einnehmen.“ Cranberrys schützen gleich doppelt: Sie bremsen das Wachstum der Erreger und verhindern, dass sich diese an die Blasenschleimhaut heften.

Viel trinken: Wird die Blase nicht ausreichend durchgespült, können sich Bakterien festsetzen. „Viel trinken ist daher sehr wichtig“, betont Professorin Daniela Schultz-Lampel. Je schneller die Bakterien ausgeschwemmt würden, desto eher sei auch die Entzündung wieder weg. „Eine hohe Flüssigkeitszufuhr wirkt daher nicht nur vorbeugend, sondern hat auch einen therapeutischen Effekt“, ergänzt die Urologin am Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen. Ein weiterer Grund für vermehrtes Trinken: Harntreibende Phytotherapeutika gegen Blaseninfekte entfalten ihre Wirkung nur, wenn dem Körper genug Flüssigkeit zur Verfügung steht. Wer also ein aufkommendes Brennen beim Wasserlassen spürt, sollte etwa zwei Liter Flüssigkeit am Tag trinken (bei Herzschwäche den Arzt fragen!). Geeignet sind Wasser, Tees oder Saftschorlen. Von Grapefruit- oder Orangensaft ist abzuraten. „Zitrusfrüchte enthalten viele Fruchtsäuren, die zu basischen Puffersubstanzen verstoffwechselt werden“, so Schultz-Lampel. Diese verändern den pH-Wert des Urins ungünstig, sodass sich die Bakterien schneller vermehren.

Grüne Helfer
„In der Frühphase einer Blaseninfektion können Heilpflanzen die Beschwerden lindern“, erläutert Apothekerin Christa Keul. Wirkstoffe aus Goldrute, Orthosiphon, Birkenblättern, Schachtelhalm oder Brennnessel durchspülen die Harnwege und schwemmen krank machende Erreger aus. Extrakte aus Bärentraubenblättern, Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel besitzen einen desinfizierenden Effekt und hemmen das Wachstum von Mikroorganismen.

Warm halten
Kalte Füße oder ein zugiger Platz im Restaurant: Bei empfindlichen Frauen reicht das schon aus, um Blasenprobleme heraufzubeschwören. Dabei ist es nicht die Kälte selbst, die die Entzündung auslöst. Bei einem unterkühlten Körper ist vielmehr die Immunabwehr geschwächt, Keime können sich dann besser vermehren. „Schützen Sie sich vor Kälte“, lautet daher auch Christa Keuls Empfehlung. Die Pharmazeutin: „Besonders Unterleib und Füße sollten stets trocken und warm bleiben!“ Im Freien sei es ratsam, kalte Sitzgelegenheiten zu meiden oder eine Unterlage zu nutzen, ergänzt sie. „Treten bereits erste Beschwerden auf, kann eine Therapie mit Rotlicht, Wärmflasche oder Wärmebädern lindernd wirken.“

Gang zum Arzt
Wenn die Beschwerden mit Fieber einhergehen oder nach ein bis zwei Tagen nicht abklingen, ist ein Besuch beim Arzt ratsam. Anhand eines Urintests prüft er, ob ein bakterieller Infekt vorliegt. „Falls ja, empfiehlt sich eine Antibiotika-Behandlung“, stellt Urologin Schultz-Lampel klar. Bei unkomplizierten Entzündungen verschwinden die Symptome meist nach einer Ein- oder Dreitagestherapie. Für chronische Infekte gibt es Langzeitantibiotika, die über Monate verabreicht werden.
Bei immer wiederkehrenden Entzündungen liegt ein fehlerhafter Aufbau der Blasenschleimhaut zugrunde. Eine Schutzschicht an ihrer Oberfläche, die bestimmte Polyzuckermoleküle enthält, schirmt sie normalerweise gegen Mikroorganismen und schädliche Stoffe aus dem Urin ab. Bei Patientinnen mit immer wiederkehrenden Infekten sieht die Schutzschicht „mottenfraßartig“ aus. Schultz-Lampel: „Neuerdings gibt es Blasenspülungen, die Polyzuckermoleküle enthalten, mit denen sich die defekte Schleimhautschicht regenerieren lässt.“

Entzündete Blase: Ein typisches Frauenleiden

Rund 95 Prozent aller Harnwegsinfektionen betreffen Frauen. Im Lauf ihres Lebens leidet etwa jede zweite Frau mindestens einmal darunter. Das liegt daran, dass die Harnröhre weitaus kürzer ist als bei Männern. Erreger haben es also nicht weit bis zur Blase. Darüber hinaus liegen bei Frauen Harnröhre und After eng zusammen, wodurch es öfter zu Schmierinfektionen durch Keime des Darmausgangs kommt.
12.02.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Thinkstock/Hemera

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