7 Inspirationen für die Filmnacht

Film

Bestimmt haben Sie auch einen – einen Lieblingsfilm, der Sie nachhaltig berührt und in andere Welten entführt hat. medpex hat eine Reise durch die Filmgeschichte der letzten 50 Jahre gemacht und einige Redaktionsmitglieder nach ihren liebsten Leinwandstreifen
befragt. Vielleicht ist ja auch noch einer für Sie dabei? 

2001: Odyssee im Weltraum (Stanley Kubrick, 1968)

Filme schaute ich schon immer gern und oft; erst recht, nachdem ich meinen ersten eigenen Fernseher geschenkt bekommen hatte. Aber darauf, was mich mit 14 Jahren
erwartete, als ich zum ersten Mal „2001: Odyssee im Weltraum“ in den DVD-Player schob, war ich trotzdem nicht vorbereitet: aufgebrachte Affen und ein mysteriöser schwarzer Block, dann plötzlich Raumschiffe, ein mörderischer Supercomputer und zum Schluss ein Trip in psychedelischen Farben. Ich verstand wenig, war hoffnungslos überfordert und dennoch so fasziniert, dass ich den Film schnell ein zweites Mal schauen musste. Und ein drittes Mal. Seitdem wuchs in mir ganz beständig die Liebe zu Filmen, die nicht nur unterhalten, sondern auch herausfordern. „2001“ gehört deshalb noch heute zu meinen Lieblingsfilmen – so, wie es auch noch immer zu meinen größten Hobbys gehört, sich filmischen Herausforderungen zu stellen.
Niels Deimel

Easy Rider (Dennis Hopper, 1969)

Es gibt diese Klassiker, die in ihrer Bildsprache einfach nicht wirklich altern wollen. So wie „Frühstück bei Tiffany“ oder „ET“. Und dann gibt es „Easy Rider“, der vielleicht gar nicht mehr so sehr heutigen Sehgewohnheiten entspricht, weil im Grunde gar nicht wirklich viel passiert: Wir sehen zwei junge Männer, die mit ihren Harleys von LA nach New Orleans fahren. Auf ihrer von Drogentrips begleiteten Reise landen sie unterwegs in einer Hippie-Kommune und schließlich beim Mardi Gras. Sie sind offen, neugierig auf das Leben, stoßen aber immer wieder an die Grenzen einer damals noch extrem intoleranten Gesellschaft. Ihre Geschichte über das Aufbegehren gegen gesellschaftliche Konventionen sowie Albert Camus’ dazu passender Satz „Der einzige Weg, mit einer unfreien Welt umzugehen, ist selbst so absolut frei zu werden, dass allein deine Existenz ein Akt der Rebellion ist“ haben mich geprägt.
Matthias Fuchs

Midnight in Paris (Woody Allen, 2011)

Drehbuchautor Gil schwärmt während einer Paris-Reise mit seiner Verlobten immer wieder vom Paris der 1920er-Jahre. Das goldene Zeitalter, in dem die Stadt von amerikanischen Künstlern und charmanten Buchläden besiedelt war. Um seiner verständnislosen Verlobten zu entkommen, unternimmt er nächtliche Spaziergänge und findet sich nach einem Zeitsprung in einer Bar wieder: Cole Porter sitzt am Piano, Josephine Baker tanzt ekstatisch zu den Klängen, Scott und Zelda Fitzgerald diskutieren über Literatur und Ernest Hemingway trinkt. Während seiner unerklärbaren Abstecher wird Gil seiner eigenen Gegenwart immer überdrüssiger und verklärt vergangene Zeiten. Der Film kommt dabei keinesfalls kitschig daher, sondern zeigt vielmehr: Nostalgie ist zwar manchmal durchaus berechtigt, man sollte aber nie der guten alten Zeit hinterhertrauern, sondern sich stets darauf besinnen, was die Gegenwart zu bieten hat.
Alana Schenk

Ziemlich beste Freunde (Olivier Nakache, Éric Toledano, 2011)

Häufig verzweifelt man an Kleinigkeiten oder hadert mit Problemen. Dabei sind sie leicht zu bewältigen, wenn man sie direkt angeht oder einen Freund um Hilfe bittet. Der Film, der mir vor Augen geführt hat, wie wichtig gute Freunde und wie klein eigene Probleme manchmal sind, ist „Ziemlich beste Freunde“. Die französische Komödie erzählt die wahre Geschichte des reichen, vom Hals abwärts gelähmten Philippe, der den aus armen Verhältnissen stammenden Ex-Sträfling Driss als Pfleger einstellt. Obwohl die beiden nichts gemeinsam haben, entwickelt sich zwischen ihnen eine tiefe Freundschaft und Driss zeigt Philippe, was im Leben möglich ist, wenn man die selbst gesetzten Grenzen überwindet. Dieser Film hat mich inspiriert und zum Nachdenken angeregt – und dabei unzählige Male zum Lachen gebracht. Ich sag’ nur: Rasierszene!
Julia Klewer

Garden State (Zach Braff, 2004)

Der Film, der mich (und viele andere) zur Musik der Shins brachte und mir mit Anfang 20 einfach aus dem Herzen sprach: Garden State. Der erfolglose Schauspieler Andrew Largeman kehrt für die Beerdigung seiner Mutter nach Jahren aus LA in seinen Heimatort in New Jersey zurück. Dort wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert und schöpft durch die Ereignisse unerwartet neuen Lebensmut. Zach Braff gewann Natalie Portman für die Rolle der Sam, in die sich der Antiheld, gespielt von Braff selbst, verliebt. Extraschmankerl: die Szene mit Jim Parsons als Tim. Meine Lieblingsszene beschreibe ich hier nicht, für alle, die den Film noch nicht gesehen haben. Ein herrlicher Indie-Film, der zum Lachen und Schmachten bringt und über einen legendären Soundtrack verfügt.
Maren Kratz

Toni Erdmann (Maren Ade, 2016)

„Was man ernst meint, sagt man am besten im Spaß“, das erkannte schon Wilhelm Busch. Auch für mich ist es die Königsklasse, wenn es ein Film schafft, Tiefgründiges durch Humor zu vermitteln, statt bedeutungsschwer auf die Tränendrüse zu drücken. Toni Erdmann (dem Film und der Figur) gelingt das perfekt. Selten habe ich im Kino so lauthals über ein eigentlich ernstes Thema gelacht. Der Film ist an Absurdität nicht zu überbieten und trotz so manchem Fremdschäm- Faktor sehr herzlich und nachvollziehbar. Was mich aber vor allem nachhaltig bewegt hat, ist, dass der Film das Verhältnis zu den eigenen Eltern vor Augen führt, die es meistens doch einfach nur gut meinen – auch wenn sie nicht immer alles richtig machen. Das weiß ich jetzt noch mehr zu schätzen!
Pascal Schmidt

Das letzte Einhorn (Arthur Rankin, Jules Bass, 1982)

Ich war vielleicht sechs Jahre alt, als ich den Zeichentrickfilm „Das letzte Einhorn“ zum ersten Mal sah. Die Geschichte des Fabelwesens, das sich aufmacht, seine verschwundenen Artgenossen zu finden, hat mich nachhaltig beschäftigt. Doch es war nicht der böse Rote Stier, der die Einhörner aus der Welt vertrieben hatte, vor dem ich mich fürchtete. Vielmehr erschütterte mich das Ende des Films. Denn anders als in Disneyfilmen bleibt trotz des guten Ausgangs kein Happy-End-Gefühl zurück. Das Einhorn wird kurzzeitig in einen Menschen verwandelt und weiß dadurch als Einziges seiner Art, was Leid und Liebe ist. „Ist das jetzt etwas Schlechtes?“, fragte ich meine Mutter damals. Welche Antwort ich bekam, weiß ich nicht mehr. Heute kann ich sagen: Das Märchen enthält eine schonungslose Realität, die sehr bedrückend wirken kann. Die aber eben der Stoff ist, aus dem gute Geschichten gemacht sind.
Rebekka Farnbacher

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