Höflichkeit ist altmodisch? Von wegen!

Höflichkeit

Benimmregeln sind mehr als Tischmanieren und Dresscodes. Wer sich anderen Menschen gegenüber aufmerksam und respektvoll verhält, macht sich beliebt, hat Erfolg und sorgt für ein angenehmeres Miteinander im Alltag. Wie das geht? medpex hat mit einem Benimm-Trainer darüber gesprochen. 

Wer an Knigge denkt, hat wahrscheinlich direkt Schüler vor Augen, die bei Tisch lernen, welches Besteck zu welchem Gericht gehört, wie man das Weinglas hält und welche Kleidung man zu welchem Anlass trägt. Doch Benimmregeln für den Umgang im Alltag sind weitaus mehr als Tischmanieren und Dresscodes. Unter ihnen verstehen Experten nämlich den höflichen und respektvollen Umgang mit anderen Menschen. Und wer solche Regeln beherrscht, bekommt es gedankt: Denn er macht sich beliebt und hat Erfolg. Sowohl auf privater als auch auf beruflicher Ebene.

Ein Mann, der das weiß, ist Michael Mayer. Er ist IHK-zertifizierter Business-Etikette-Trainer und Vorstand der Deutschen-Knigge-Gesellschaft e. V. Regelmäßig trainiert er Firmengruppen und gibt Kurse für Einzelpersonen, die Etikette und Höflichkeit erlernen möchten. Dabei geht es allerdings nicht darum, die Teilnehmer mit eingestaubten Benimmvorschriften zu behelligen, sondern die Grundintention von Adolph Freiherr Knigge aus dem 18. Jahrhundert angemessen ins 21. Jahrhundert zu übersetzen. „Wer einmal die Wortwahl des 1788 erschienenen Werks von Knigge begriffen hat, merkt schnell, dass vieles von dem, was der Autor rät, auch heute noch Bestand hat“, sagt Michael Mayer. „Denn Knigge war ein sehr guter Beobachter, der dazu motivieren wollte, dass Menschen miteinander harmonieren.“ Daher rät auch Mayer: „Seien Sie höflich und achtsam, hören Sie Ihrem Gegenüber zu und lassen sich auf konträre Meinungen ein. Sie werden sehen, es zahlt sich aus!“

Freundlichkeit und Respekt sind das A und O

Für Mayer ist es vor allem die innere Haltung, die heute wichtiger denn je ist – auch
wenn Äußerlichkeiten, wie angemessene Kleidung, die richtige Begrüßung und das
Benehmen bei Tisch ebenfalls von Bedeutung sind. „Es kann zum Beispiel nicht sein, dass jeder im Schutze der Anonymität des Internets einfach ungebremst Negatives über jemand anderen ablädt.“ Zur Freundlichkeit gehört auch, jemanden darauf hinzuweisen, falls er sich ungeschickt verhält. „Wenn ich bei jemandem einen Essensrest zwischen den Zähnen entdecke, sollte ich das nicht ignorieren und denjenigen den Blicken anderer aussetzen. Weisen Sie ihn diskret und in einem Moment, in dem Sie beide allein sind, darauf hin und machen Sie darüber keine Witze.“ Respektvoller Umgang beginnt aber schon damit, dass ich niemanden übersehe und jeden begrüße, wenn ich in einen Raum komme. Und wenn ich zusammen mit jemandem beim Essen bin, dann bitte nicht das Handy auf den Tisch legen! „Lassen Sie das Smartphone beiseite. Jeder schön gedeckte Tisch und ein geselliges Miteinander sind sonst dahin. Und Sie werden sehen, Ihr Gespräch wird viel besser verlaufen.“

Viele Fettnäpfchen lauern auch, wenn man bei jemandem zu Hause eingeladen ist. Was trage ich, was bringe ich mit, welche Gesprächsthemen sind angebracht? Für den Experten ganz einfach lösbar: „Wer fragt, gewinnt!“ Trifft man sich zu Hause, gibt es dort ein festliches Dinner oder wird gemeinsam im Schrebergarten gegrillt? Dementsprechend sollte man sich kleiden und das Gastgeschenk auswählen. Zu sagen „Das habe ich nicht gewusst“, ist keine Ausrede. Und dass ein Geschenk nicht gefällt, sollte man höchstens guten Freunden und der Familie offen sagen.
Auch in Gesprächen zahlt sich das Fragenstellen aus. Wer sich interessiert zeigt, macht einen guten Eindruck und wirkt nicht oberflächlich. „Bei Smalltalk gilt es, Themen anzuschneiden, die alle interessieren, oder ein spezielles Interesse des Gegenübers“, rät Mayer. Kritisch sind Religion, Politik, Sexualität, Krankheiten und polarisierender Sport. Gerade bei Gesprächspartnern, bei denen man Sympathie wecken möchte, empfiehlt der Experte, sich vorher bei Bekannten zum Beispiel über die Hobbys desjenigen zu erkundigen. „Außerdem ist es ein No-Go, nur von sich zu erzählen und dabei eingebildet zu erscheinen.“ Das schrieb auch schon Adolph Freiherr Knigge: „Mache Dich gelten, doch ohne Unverschämtheit und Prahlerei!“ rf //

3 Alltagstipps von Benimm-Trainer Michael Mayer

Achten Sie auf Ihr Umfeld:
Halten Sie anderen Passanten die Tür auf, schauen Sie Menschen auf der Straße ins Gesicht und bedanken Sie sich lieber einmal zu viel. Sie bekommen mindestens ein Lächeln zurück!

Nehmen Sie sich Zeit:
Geschäftliche Nachrichten sollten mit einer Begrüßung beginnen und mit einem Gruß enden. Und vor allem Konflikte sollten in einem persönlichen Gespräch besprochen und nicht über Textnachrichten oder gar Smileys per WhatsApp ausgetragen werden.

Fragen Sie nach:
Sie hinterlassen einen guten Eindruck, wenn Sie sich für Ihr Gegenüber interessieren. Und auch bei Unsicherheiten ist das Absichern besser als das unbedachte Vorpreschen.

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