Erste Hilfe bei kleinen Unfällen (4): Arten von Verletzungen

In unserer neuen Serie „Erste Hilfe bei kleinen Unfällen“ geben wir Ihnen wichtige Fakten und nützliche Tipps zu alltäglichen Verletzungen oder Krankheiten. Heute: Arten von Verletzungen

Die Schnittwunde

Verschiedene Gelegenheiten können zu  Schnittverletzungen führen– ob beim Hantieren mit Messer, Schere, Bruchscherben oder Papier. Daher gehören Schnittwunden (v.a. am Finger) zu den häufigsten Verletzungen überhaupt.
Schnittwunden sind Folge einer mechanischen Verletzung durch einen scharfkantigen Gegenstand. Charakteristisch sind glatte Wundränder, meist starke Blutung und Wundschmerz.
Schnittverletzungen können unterschiedlich tief sein: So können nur die oberen, aber auch alle Schichten der Haut durchtrennt sein; zusätzlich können Blutgefäße, Nerven oder Sehnen verletzt sein.

Schnittwunden sollten Sie zunächst bluten lassen, da dies zu Reinigung beiträgt. Da die Wundränder relativ glatt sind, lassen sie sich mit einem Schnellverband gut eng aneinander „kleben“. So heilt die Verletzung schnell und komplikationslos. Tiefere oder lange Schnitte, die sehr stark bluten, sollte ein Arzt behandeln.

Die Schürfwunde

Schürfwunden sind ebenfalls sehr häufige Verletzungen. Typische Situationen, bei denen Schürfwunden entstehen, sind Streifstürze (z.B. beim Fahrradfahren oder Inlineskaten).
Durch eine Hautabschürfung entsteht typischerweise eine Wunde mit unregelmäßigen Wundrändern. Die Schürfwunde nässt und geht mit einem Wundschmerz einher. Sie kann stark verunreinigt sein und zudem Fremdkörper enthalten.

Eine tiefe Schürfwunde kann punktförmig oder in größeren Mengen bluten – dann können auch leichter Keime eindringen. Ohne sachgemäße und rechtzeitige Reinigung der Schürfwunde kann sich Eiter bilden.

Obwohl Schürfwunden oft stark schmerzen, heilen sie meist problemlos ab. Dennoch ist es empfehlenswert, bei Aktivitäten, die mit einem hohen Risiko für Stürze mit Streifverletzungen verbunden sind (z.B. Inlineskaten, Radfahren), entsprechende Schutzbekleidung zu tragen. Wenn Sie Sport treiben und eine Schürfwunde im Gelenkbereich haben, ist es ratsam, einige Tage mit den sportlichen Aktivitäten auszusetzen. Vermeiden Sie nach Möglichkeit ein erneutes Aufreißen der Kruste, da sonst der Heilungsprozess gestört wird. In dieser Zeit ist es ebenso ratsam, auf Wassersport und Vollbäder zu verzichten. Duschen ist aber problemlos möglich.

Bei kleineren Schürfwunden ist in der Regel keine besondere Therapie erforderlich. Sofort nach einem Unfall beginnt die natürliche Wundheilung.

  • Wenn die Wunde verschmutzt ist, säubern Sie sie daher so schnell wie möglich unter kaltem, fließendem Wasser.
  • Desinfizieren Sie die Wunde. Lassen Sie dann die Schürfwunde am besten an der Luft trocknen. Geht dies nicht (weil die Wunde unter der Kleidung liegt), können Sie sie mit einem Pflaster oder Wundverband abdecken. Nur eine sehr großflächige, blutende und entzündete Schürfwunde kann ein zusätzliches  Eingreifen nötig machen.
  • Im Anschluss kann wundheilungsfördernde Salbe/Gel aufgetragen werden – vor allem bei Schürfwunden im Gelenkbereich, um ein Aufreißen zu verhindern und die Stelle geschmeidig zu halten.

Großflächige Hautabschürfungen können sich infizieren, was  zu einer verzögerten Wundheilung führen kann. Daher ist es ratsam, großflächige, blutende und verschmutzte Schürfwunden zum Schutz vor Keimen mit einem sterilen Verband abzudecken und sie dann ärztlich versorgen zu lassen.

Die Platzwunde

Platzwunden sind Riss-Quetsch-Wunden. Sie treten nach Einwirkung stumpfer Gewalt meist dort auf, wo direkt unter der Haut ein Knochen liegt. Die Wundränder sind leicht unregelmäßig. Die Schmerzen sind vor allem dann stark, wenn der Knochen verletzt wurde.

Um die Blutung möglichst zum Stillstand zu bringen und eine weitere Wundverschmutzung durch eindringende Krankheitserreger zu verhindern, sollten Sie unbedingt einen geeigneten Notverband anlegen lassen. Die Art des Verbands hängt dabei von der Stärke der Blutung ab.
Platzwunden haben keine glatten Ränder und klaffen oft auseinander. Sie sind stark infektionsgefährdet. Es ist ratsam, sie mit Wasser zu reinigen und dann zu desinfizieren. Eine sterile Auflage verhindert, dass die Verletzung erneut verunreinigt wird. Gegen die Schmerzen hilft es, die betroffene Stelle ruhig zu stellen und zu kühlen.

Platzwunden sollten grundsätzlich vom Arzt behandelt werden, da er am besten einschätzen kann, wie gefährlich eine Verletzung ist oder ob sie genäht werden soll. Ebenso kontrolliert er die Knochen, Nerven und Sehnen. Vor allem ältere Menschen sollten sich bei Platzwunden stets gründlich untersuchen lassen. Die Wunde an sich kann harmlos sein. Allerdings kann der Sturz z.B. durch einen Schlaganfall verursacht worden sein, der dringend im Krankenhaus abgeklärt werden muss.

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