Ein kleines Wunder

Egal ob Beruf oder Privatleben – wir sind es gewohnt, unsere Zeit permanent zu (ver)planen. Auch wer schwanger werden möchte, findet sich schnell zwischen Temperaturmessung, Schwangerschaftstests und gut gemeinten Ratschlägen wieder. Das Wichtigste dabei: kein Stress, wenn es mit dem Schwangerwerden nicht auf Anhieb klappen will.

Schwangerschaft und Familienplanung sind ein wichtiges Thema

Wenn alles passt und zum großen Glück nur noch ein gemeinsames Baby fehlt… (Bild: Ekaterina Pokrovsky)

Die Idee vom perfekten Timing haben viele – aber gibt es das überhaupt?

Laut Statistischem Bundesamt sind Mütter in Deutschland bei der Geburt des ersten Kindes im Schnitt 29 Jahre alt (Stand 2012). Ein Grund dafür: Immer mehr junge Frauen möchten erst einmal beruflich durchstarten, bevor sie an Kinder denken. In der Folge setzen sich viele erst mit Anfang 30 intensiver mit der Familienplanung auseinander. Fakt ist aber: Die Fruchtbarkeit nimmt mit steigendem Alter ab, ab 35 sinkt sie bereits rapide. Ja, das Alter spielt eine Rolle – aber statistische Daten sagen nichts über individuelle Paare aus. Selbst wenn die Voraussetzungen objektiv betrachtet ungünstig sind, kann es mit der Schwangerschaft sofort klappen. Relevant sind dabei die fruchtbaren Tage: Diese beschränken sich – unabhängig vom Alter – auf eine kurze Zeit um den Eisprung herum. Eine Empfängnis ist daher nur an etwa sechs Tagen pro Monat überhaupt möglich. Es besteht also erst einmal kein Grund zur Sorge, wenn Sie nicht sofort schwanger werden: Wartezeiten von bis zu einem Jahr gelten als völlig normal. Auch wenn Sie jahrelang hormonell verhütet haben, müssen Sie keine Bedenken haben: Dass die Pille die Fruchtbarkeit hemmt, ist ein Mythos. Nach dem Absetzen muss sich der Zyklus erst einmal wieder einpendeln, das ist aber meist bereits nach wenigen Monaten geschehen.

Einfach loslegen oder besser planen? Wer dem Kinderwunsch freudig, aber entspannt gegenübersteht, kann es einfach darauf ankommen lassen. Falls Sie sich aber wohler damit fühlen, wenn alles in geordneten Bahnen verläuft, ist vielleicht die natürliche Familienplanung etwas für Sie. Die sogenannte symptothermale Methode funktioniert nach einem simplen Prinzip, erfordert aber etwas Disziplin. Grundlegend sind das Messen der Basaltemperatur und das Kontrollieren des Zervixschleims, dessen Beschaffenheit neben dem Zeitpunkt des Eisprungs Aufschluss über die fruchtbaren Tage gibt. Um zuverlässige Messwerte zu erhalten, müssen Sie die Körpertemperatur immer direkt nach dem Aufwachen messen und die Ergebnisse über längere Zeit in einer Tabelle festhalten. Der Grund: Durch einen erhöhten Progesteronwert steigt die Körpertemperatur in den Tagen nach dem Eisprung leicht an. Anhand dieser Schwankungen kann der Zeitpunkt des Eisprungs also rückwirkend bestimmt werden. Ein schnelleres Ergebnis liefern Ovulationstests: Sie messen die Konzentration des „Eisprunghormons“ im Urin und verraten auf einen Blick, ob frau gerade fruchtbar ist oder nicht.

Erste Anzeichen: Ob mit Zyklustabellen oder ohne – wer schwanger werden möchte, achtet ganz genau auf Veränderungen. Ausbleibende Periode? Spannungsgefühle in der Brust? Stimmungsschwankungen? Müdigkeit? Wenn mehrere Anzeichen zusammenkommen, spricht viel für eine Schwangerschaft. Und so sehr wir einem Baby auch entgegenfiebern: Auf die Morgenübelkeit würde wohl jeder gern verzichten … Mit Teststreifen können Sie zu Hause prüfen, ob Sie tatsächlich schwanger sind. Eine Untersuchung beim Arzt oder bei einer Hebamme gibt letzte Gewissheit.

Ein Leben für zwei! Mit einer Schwangerschaft ändert sich vieles – das heißt aber nicht, dass Sie Ihr gesamtes Leben umkrempeln müssen. Gönnen Sie sich und dem Baby im Bauch bewusst etwas Gutes: eine ausgewogene Ernährung sowie ausreichende Bewegung und auch Ruhepausen. Während der gesamten Schwangerschaft sind regelmäßige Untersuchungen vorgesehen, um die Gesundheit von Mutter und Kind im Blick zu behalten. Der Arbeitgeber muss Sie hierfür übrigens freistellen.

Vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ist Folsäure essenziell, da das Vitamin Fehlbildungen des zentralen Nervensystems verhindert. Obwohl wir Folsäure über Gemüse und Vollkornprodukte aufnehmen, kann der erhöhte Bedarf nur über eine ergänzende Zufuhr in Form von Tabletten gedeckt werden. Lassen Sie sich am besten von Arzt oder Hebamme beraten. (nh)


 

Gut zu wissen für Schwangere

Eisen: Neben Folsäure ist vor allem Eisen wichtig, da ein Mangel nicht nur müde, sondern auch anfällig für Infektionen macht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Schwangere eine Eisenzufuhr von etwa 30 mg pro Tag. Relativ viel davon findet sich unter anderem in magerem Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchten. Falls im Rahmen einer Untersuchung eine Unterversorgung festgestellt wird, kann der Arzt ein Zusatzpräparat verschreiben.

Kaffee oder Tee? Rauchen und Alkohol sind in der Schwangerschaft tabu – klar. Anders ist es beim Koffein: Bis zu zwei Tassen Kaffee pro Tag können Sie bedenkenlos genießen. Denken Sie aber daran, dass auch Tee, Cola und Energydrinks Koffein enthalten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Schwangeren daher, die Gesamtmenge von etwa 300 mg Koffein pro Tag nicht zu überschreiten. Mehr Koffein kann den Puls des Babys beschleunigen, die Aufnahme von Eisen hemmen und die Blutgefäße verengen.

Essen für zwei? Nicht nötig – wenn Sie sich ausgewogen ernähren, müssen Sie keine doppelten Mengen zu sich nehmen. Eine Gewichtszunahme zwischen zehn und 15 Kilogramm ist normal. Dabei rühren die zusätzlichen Kilos nicht nur von ein paar Fettdepots her, die der Körper für die Stillzeit anlegt: Auch Baby, Fruchtwasser, Plazenta sowie eine Zunahme des Blutvolumens sorgen für mehr Gewicht.

Beratungsstellen
Infos zu kostenlosen Beratungsangeboten finden Sie unter www.familienplanung.de und www.profamilia.de. Mehr zu den Methoden der natürlichen Familienplanung steht unter www.nfp-online.de

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