Tief durchatmen!

Strecken und tief durchatmen

Unsere Atmung funktioniert so automatisch, dass wir ihr kaum Aufmerksamkeit schenken. Dabei sollten wir das tun. Denn wer richtig atmet, dem geht es gleich viel besser.

Ein, aus, 15-mal pro Minute, 20 000-mal am Tag, sieben Millionen Mal im Jahr: So oft lassen wir Luft in unsere Lungen strömen. Mit unserem Zutun, aber meist ohne unsere bewusste Aufmerksamkeit, versorgen wir unseren Körper mit Sauerstoff. Anders als beispielsweise den Herzschlag können wir die Atmung aktiv beeinflussen, etwa indem wir die Luft anhalten. Unserem Willen sind hierbei jedoch enge Grenzen gesetzt; wer seine Atmung nicht trainiert hat, schnappt schon nach einer Minute wieder nach Luft.

Aus gutem Grund. Denn ein Leben lang, vom ersten Atemzug bis zum letzten, gelangt Luft über Nase oder Mund durch die Luftröhre in die Lunge, wo die Lungenbläschen in den Bronchien für den Gasaustausch sorgen: Rund ein halber Liter Luft pro Atemzug wird hierhin transportiert und der lebenswichtige Sauerstoff ans Gewebe abgegeben. Über den Blutkreislauf wird er durch den Körper zu den Organen befördert. Umgekehrt gelangt verbrauchte Luft mit ihren Abfallprodukten wie Kohlendioxid über die Lunge wieder nach draußen.

MEHR ALS DER AUSTAUSCH VON GASEN

Atmung ist jedoch mehr als ein bloßer Austausch von Gasen. Davon kündet ein Blick in unsere Ausdrucksweise: Wenn uns jemand beschäftigt, hält uns derjenige in Atem, wenn uns eine Landschaft beeindruckt, ist sie atemberaubend, und wenn wir Durchhaltevermögen an den Tag legen, beweisen wir damit einen langen Atem.

Aus der Luft gegriffen sind diese Sprachbilder nicht, Atmung und Wohlbefinden hängen eng zusammen. Insbesondere fernöstliche Gesundheitslehren haben Atemübungen schon früh in ihre Therapien integriert und längst hat man ihre Effekte auch in unseren Breiten erkannt. So hilft die richtige Atmung etwa bei der Behandlung von Asthma, Bronchitis und anderen Lungenkrankheiten, indem sie dazu beiträgt, die Atemwege zu weiten, die beteiligte Muskulatur zu stärken und den Schleim besser zu lösen. Aber nicht nur der Körper, auch die Psyche kann von Atemtechniken profitieren. Mit ihrer Hilfe lassen sich etwa das Schmerzempfinden mildern und Angst und Panik regulieren. Wer ständig falsch atmet – das heißt flach und hektisch –, riskiert umgekehrt neben Kreislaufproblemen und Herzerkrankungen auch Unruhe, Schlafstörungen und schnelle Erschöpfung.

SPANNENDES FORSCHUNGSFELD

Abschließend erforscht ist die Atmung bei alledem aber noch lange nicht. Mediziner und Neurowissenschaftler nehmen die Atmung zunehmend ins Visier. So haben US-amerikanische Forscher beispielsweise unlängst herausgefunden, dass das Gehirn unterschiedlich auf das Ein- und Ausatmen reagiert. In einem Experiment stellten sie fest, dass Studienteilnehmer, denen sie Bilder zeigten, sich eher an sie erinnerten, wenn sie sie beim Einatmen betrachtet hatten. Der Beweis dafür, dass dieses Wissen beim nächsten Examen den gewünschten Erfolg mit sich bringt, steht allerdings noch aus.

Tausendfach bewährt hat sich hingegen, auf den Rat „Tief durchatmen!“ zu hören.

Entspannung herbeiatmen

Stress, Hektik, flache Atmung: Allzu oft geht all das miteinander einher, erst recht wenn wir gebeugt und verkrampft vor dem Rechner sitzen. Häufig verlernen wir die angeborene Bauchatmung und atmen flach, wobei wir nur den oberen Brustkorb mit Luft füllen, das Fassungsvermögen unserer Lunge folglich nicht vollständig nutzen und vergleichsweise wenig Sauerstoff aufnehmen. Wer ein Gespür für die eigene Atmung entwickelt, kann für mehr Wohlbefinden im Alltag sorgen. Bequeme Kleidung, eine entspannte Körperhaltung und frische Luft haben sich dabei als gute Unterstützer erwiesen.

Bauch rein? Von wegen. Es gibt keinen Grund, den Bauch einzuziehen. Denn nur die Bauchatmung versorgt den Körper mit ausreichend Sauerstoff und Energie, außerdem regt sie die Verdauung an. Charakteristisch ist, dass sich das Zwerchfell hierbei nach unten bewegt und sich die Lungenflügel ausdehnen.

Legen Sie sich bequem auf eine Decke oder auf eine Matte, atmen Sie durch die Nase ein und durch Mund oder Nase aus. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Legen Sie Ihre Hände auf die Bauchdecke zwischen Nabel und Brustkorb und achten Sie darauf, ob sich die Bauchdecke bei jedem Atemzug hebt und senkt. Das tut sie? Gut so! Ein- bis zweimal täglich für fünf bis zehn Minuten üben.

Atmung und Herz-Kreislauf-System sind eng miteinander verknüpft. So schlägt das Herz beim Einatmen schneller, beim Ausatmen langsamer. Dieses Wissen kann man für mehr Gelassenheit nutzen: indem man länger aus- als einatmet. Das senkt den Puls und Unruhe legt sich.

Thomas Loew, Professor für Psychosomatische Medizin an der Universität Regensburg, empfiehlt die Übung „47-11“: vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden ausatmen, elf Minuten lang. Das Geheimnis hinter dieser Atemübung: Sie gaukelt dem Körper Tiefschlaf vor, Entspannung tritt ein. Auch bei Schlaflosigkeit kann „47-11“ helfen.

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