Eine schlammige Angelegenheit

Moorbad für zu Hause

Bis zum Kinn in brauner Brühe – unsere Autorin hat sich ein Moorbad gegönnt und Kindheitserinnerungen wieder aufleben lassen.

Als Kind bin ich mit meinen Eltern immer ins Allgäu gefahren. Dort gab es einen kleinen Moorsee – für mich das reinste Paradies. Dieses trübe, dunkle Wasser faszinierte mich. Hier durfte ich ganz legal im Schlamm baden und mich schmutzig machen. Fast genau zwei Jahrzehnte später blitzt dieses Gefühl von damals wieder auf. Ich mache Wellness-Urlaub mit meiner Schwester und wir dachten, ein Moorbad sei eine gute Idee. Jetzt stehe ich also vor einer Edelstahlwanne und sehe zu, wie dunkelbraune, breiige Flüssigkeit langsam einläuft. Es riecht erdig und ich zweifle kurz, worauf ich mich da eingelassen habe. Die Freude am Schmutz hat sich mit den Jahren doch etwas verflüchtigt. Ich habe einigen Respekt vor dem, was mich gleich erwartet.

Hard Facts

Moorbäder haben eine lange Geschichte. Schon im Mittelalter war die heilende Wirkung des dunklen Schlamms bekannt. Im 19. Jahrhundert entstanden dann Moorbäder in zahlreichen Kurorten. Heute bieten es nicht nur Heilbäder, sondern auch Wellness-Institute an. Doch was ist eigentlich ein Moorbad? Typischerweise besteht es aus Badetorf und Wasser, meist im Verhältnis zwei zu eins. Torf ist organisches Sediment, das in Mooren abgebaut wird. Badetorf bezeichnet eine besonders hohe Qualität dieses Torfs und ist für therapeutische Zwecke und Körperanwendungen geeignet. Zusammen mit heißem Wasser entsteht daraus ein dickbreiiges Bad, das eine heilende Wirkung auf vielerlei Beschwerden haben soll.

Achtung heiß

Nach kurzem Zögern schlüpfe ich aus meinem Bademantel und steige langsam in die Wanne. Es ist ziemlich heiß und das ist auch gewollt. Ein dickbreiiges Moorbad wie in meinem Fall gilt als sogenanntes Überwärmungsbad mit einer Temperatur von bis zu 46 Grad Celsius. Ein normales Wannenbad im Vergleich sollte „nur“ um die 38 Grad Celsius heiß sein. Da Badetorf ein guter Wärmespeicher ist, gibt er die Wärme sehr viel langsamer an den Körper ab als Wasser. Die Hitze fühlt sich daher nicht unangenehm an. Es kribbelt leicht und nach kurzer Gewöhnung empfinde ich es gar nicht mehr als so heiß. Die Körpertemperatur steigt während eines Moorbads um etwa zwei Grad an, was einem künstlich hervorgerufenen Fieber entspricht. Dieses soll sich positiv auf Immunsystem, Stoffwechsel und das vegetative Nervensystem auswirken.

Entspannung pur

Langsam gewöhne ich mich an die schlammige, weiche Masse, die mich umgibt, und kann mich entspannen. Mein Körper fühlt sich herrlich leicht an. Wie die Therapeutin im Vorfeld erklärt hat, liegt das am Auftrieb des Moors. Durch die relative Schwerelosigkeit in der Wanne werden Muskeln und Gelenke weitestgehend entlastet. Das soll vor allem gegen Verspannungen helfen. Stimmt, so entspannt und locker habe ich mich in meiner Badewanne zu Hause selten gefühlt, nicht einmal in meinem liebsten Schaumbad.

Moorbäder gelten nicht umsonst als Heilanwendung und werden mit ärztlichem Rezept gezielt gegen verschiedene Leiden wie Rheuma, Arthrose, aber auch gegen Beschwerden an unterschiedlichen Organen oder zur Entgiftung angewendet.
Im Gegensatz zum trüben Moorsee meiner Kindheit ist dieses Moorbad eine richtig schlammige Angelegenheit. Der warme Moorbrei geht mir bis zum Hals. Ich lege meine Arme auf den Wannenrand und das Moor auf meiner Haut trocknet langsam zu einer krustigen Schicht. Das ist nicht unangenehm, im Gegenteil. Ich träume währenddessen vor mich hin. Nach zwanzig Minuten ist mein Moorbad zu Ende. Ich dusche und kuschele mich wieder in meinen Bademantel. Um die Wirkung des Bads zu verbessern, wird eine Nachruhe von 20 bis 60 Minuten empfohlen. Ganz entspannt mache ich es mir auf meiner Liege gemütlich und genieße das wohlige Gefühl. Meine Haut fühlt sich wunderbar zart an. Ich überlege schon, wann ich mir das nächste Mal eine Wellness-Auszeit gönne, so sehr habe ich mein Moorbad genossen. Zum Glück gibt es Moorbäder auch für die Badewanne. Das ist natürlich nicht dasselbe, reicht aber vielleicht für die erste Sehnsucht …

Gut zu wissen

WO? Viele Heilbäder und Wellness-Institute in Deutschland bieten Moorbäder an. Oft können Anwendungen einzeln oder in Verbindung mit einem Kururlaub gebucht werden. Erkundigen Sie sich im Vorfeld, ob für die Anwendung ein ärztliches Rezept benötigt wird.

Achtung: Bei Herz- oder Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, offenen Wunden oder einer Schwangerschaft sollte auf ein Moorbad verzichtet werden.

Moorbad für zu Hause

Auf die wohltuende Wirkung von Moor muss niemand verzichten, denn Moorbäder gibt’s auch für zu Hause. Allerdings meist in einer Light-Variante. Oft ist den Moorbädern für die eigene Badewanne nämlich nur Moor zugesetzt. Im Gegensatz zum Moorbad in Kurheilbädern ist es dann wässriger und viel weniger schlammig. Das schont nicht nur die Abflussrohre, sondern auch die Nerven beim anschließenden Schrubben der Wanne. Wer die entspannende Wirkung des Moors zu Hause genießen möchte, sollte die Anwendungshinweise auf der Packung beachten und eine Nachruhe von 20 bis 30 Minuten einhalten.

KLICK-TIPP

www.kurorte-und-heilbaeder.de/moorheilbaeder.html

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