Plastik sparen, aber wie?

Plastikfrei

Ozeane, auf deren Wellen keine Schaumkronen tanzen, sondern Plastikflaschen: Solche Bilder begegnen uns seit einigen Jahren immer hĂ€ufiger. Nicht recycelte Verpackungen landen im Meer, in WĂ€ldern oder auf Müllkippen: für die Umwelt ein echtes Problem. Außerdem enthalten viele Kunststoffe gesundheitsschĂ€dliche Substanzen. In sogenannten „Unverpackt-LĂ€den“ aber kann man mittlerweile vielerorts plastikfrei einkaufen. Wir haben Tipps zusammengestellt, wie Sie den Plastikkonsum reduzieren können. 

Verpackungen mehrfach nutzen

Umdenken und Ressourcen sparen: Beutel von Brot und Haferflocken eignen sich beispielsweise als Frühstückstüten, SchraubglĂ€ser für kleine VorrĂ€te. Wer auf Beeren in transparenten Plastikboxen nicht verzichten möchte, kann diese spĂ€ter als Aufbewahrungshelfer und Ordnungssysteme in SchrĂ€nken und Schubladen nutzen.

Lose Waren bevorzugen

Oft hat man die Wahl: Auf dem Wochenmarkt oder in ganz normalen SupermĂ€rkten gibt es viele Produkte auch ohne Verpackung. Das gilt besonders für Obst und Gemüse. Auch an einigen Wurst- und KĂ€setheken können Kunden BehĂ€lter mitbringen und sich EinkĂ€ufe abfüllen lassen. Im Coffee-to-go-Bereich ist das schon lange der Standard.

Verpackungsfreie LĂ€den ansteuern

In vielen Orten gibt es heute wieder LĂ€den, die verschiedenste Alltagswaren lose anbieten – Ă€hnlich wie früher der klassische Tante-Emma-Laden. Hier gibt es auch Mehl, Nudeln, Gewürze und vieles andere ohne Verpackung. Begonnen hat diesen Trend Milena Glimbovski mit ihrem Berliner LebensmittelgeschĂ€ft „Original Unverpackt“. Eine Übersicht über GeschĂ€fte in Deutschland, die auf verpackungsfreie Lebensmittel spezialisiert sind, gibt es zum Beispiel hier: www.enorm-magazin.de/unverpackt-laeden-deutschland

Selber machen und Plastik sparen

Macht Spaß, kommt gut an und ist nachhaltig: Wer Kekse, Marmelade, Brotaufstriche oder auch Tierfutter selbst zubereitet, spart einen ganzen Berg an Verpackungen – und hat zugleich ein paar individuelle DIY-Mitbringsel im Schrank.

GrĂ¶ĂŸere Einheiten wĂ€hlen

Wenn schon verpackt, dann so knapp oder so ergiebig wie möglich! In dieser Hinsicht schneiden große Einheiten oft besser ab als Single-Packs. Zu viel? Dann ab in den Vorratsschrank! Lassen sich Waren nicht lagern, einfach mit Freunden oder Nachbarn teilen. Das lohnt sich auch finanziell. Ebenfalls nützlich ist eine Wochenübersicht, mit deren Hilfe Lebensmittel so verplant werden, dass sie über mehrere Tage hinweg in unterschiedlicher Weise zubereitet werden. jt //

Experten-Interview – 4 Fragen an Susanne Jagenburg, Fachfrau fĂŒr Recycling

Nicht immer ist es möglich, komplett plastikfrei zu leben. Umso wichtiger ist es, vorhandene Verpackungen zu recyceln. Doch welche Möglichkeiten gibt es eigentlich und wo begegnen uns Recyclingprodukte im Alltag? medpex sprach mit Susanne Jagenburg. Sie ist Sprecherin der ALBA Group, einer der führenden Recycling- und Umweltdienstleister weltweit. Durch die AktivitĂ€ten der Unternehmensgruppe konnten allein im Jahr 2017 rund 4,1 Millionen Tonnen Treibhausgase und 30,2 Millionen Tonnen PrimĂ€rrohstoffe eingespart werden.

Was passiert eigentlich mit dem Müll im Gelben Sack?

Leichtverpackungen aus Gelber Tonne und Gelbem Sack gehen in hochmoderne Anlagen, die sie nach Materialart sortieren. Mit Magneten, Wirbelstrom-Abscheidern oder auch Nah-Infrarot-Technik sortieren wir hier unter anderem Metalle, GetrĂ€nkekartons und verschiedenen Arten von Kunststoffen aus. So erhalten wir am Ende bis zu 15 „Fraktionen“, die als hochwertige Recyclingrohstoffe wieder in den Kreislauf zurückgehen.

Wenn ich Verpackungen wegwerfe: Worauf muss ich achten, damit das Recycling wirklich funktioniert?

Wichtig ist zum Beispiel: Deckel ab und nichts ineinander stapeln. Am besten ist es, wenn man alle unterschiedlichen Materialien, aus denen eine Verpackung besteht, voneinander trennt, soweit möglich. Alles, was lose und einzeln ist, können die Anlagen der jeweiligen Stoffgruppe zuordnen. Spülen muss man die Verpackungen aber nicht. Sie werden beim Recycling maschinell gereinigt.

Viele hören Musik online und entsorgen ihre alten CDs. Gehören die auch in den Gelben Sack?

Bitte nicht! CDs sind keine Verpackung und gehören nicht in den Gelben Sack, sie brauchen ein spezielles Recyclingverfahren. Man kann sie zum Beispiel in ComputerfachgeschÀften abgeben. Fatal ist es auch, wenn Video- oder Musikkassetten im Gelben Sack landen. Die MagnetbÀnder können den Sortierprozess erheblich behindern, da sie sich um die Sortieraggregate wickeln und so Verstopfungen produzieren.

In welcher Form begegnen uns SekundÀrrohstoffe, also recycelte Stoffe, im Alltag?

Sehr oft. Das bekommt man gar nicht immer mit. Aus Recyclingkunststoff gibt es zum Beispiel Blumentöpfe, Farbeimer, Büroartikel und Transportboxen, aber auch Autoverkleidungen, Stifte oder Waschmittelflaschen. Recyclingrohstoffe können in jeder Hinsicht mit PrimĂ€rrohstoffen mithalten.

FĂŒr einen plastikfreien Alltag!

Impulse für einen Alltag ohne Einwegplastik gibt die junge deutsche NGO „Plastaway“, die der Berliner Fotograf Marco Justus Schöler und der Designer Oliver Schleith ins Leben gerufen haben. „Seit unserer Gründung 2018 haben wir verschiedene Kampagnen- und Aktionskonzepte entwickelt, um auf das Thema aufmerksam zu machen“, so Schöler. ZunĂ€chst möchten er und sein Team unter anderem die Gastronomie-Szene ansprechen. Auf ihrer Website haben sie zudem eine Reihe von Tipps gesammelt, die auch privat jeder umsetzen kann. Mit Instagram-Tutorials und durch die Zusammenarbeit mit Kreativen und Meinungsbildnern möchten sie möglichst viele Menschen weltweit für die Plastaway-Vision gewinnen. www.plastaway.org

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