Best friends forever?

Beste Freundinnen

Wer tief gehende Freundschaften hat, lebt länger, das ist wissenschaftlich erwiesen. Freunde spielen für Lebenserwartung und -qualität eine größere Rolle als eigene Kinder oder Verwandte. Aber was, wenn sie wegziehen oder – schlimmer noch – Kinder kriegen?

Samstagabend, 19 Uhr. Ich besuche eine Freundin, wir wollen einen Mädelsabend machen, was Leckeres kochen, Tanzfilme schauen. Ich freue mich darauf, ihre zwei kleinen Kinder vor dem Zubettgehen noch kurz zu sehen. Mein Wunsch soll in Erfüllung gehen: Erst will der Kleine nicht schlafen und wird von Mama herumgetragen, während ich die Rote Bete schäle. Dann will die Größere vorm Schlafen noch eine Folge Michel aus Lönneberga gucken. Das geht aber erst, wenn der kleine Bruder erfolgreich ins Bett gebracht worden ist. Bis wir zwei Großen dann in Ruhe kochen und essen können, ist es 22 Uhr und ich bin halb verhungert. Als wir den Fernseher um 23 Uhr wieder anschalten, sind wir so müde, dass die Energie nur noch für eine Folge Gilmore Girls reicht.

Szenenwechsel: Sonntagnachmittag, eine Abschiedsparty in München. Ich kenne kaum jemanden außer der schwangeren Gastgeberin und setze mich erst mal mit einem Kaffee auf die Couch. Um mich herum Mütter mit Kleinkindern und Babys. Zum Thema Beikost, Stillen oder Kita-Anmeldung kann nichts beitragen und fühle mich ein bisschen wie eine Außerirdische, so ohne Gesprächspartner. Auch die Kinder wollen nichts von mir wissen. Am Ende wird es aber doch noch eine superschöne Party, denn ganz automatisch entdecke ich die einzigen vier Gäste, die keine Kinder haben. Wir finden schnell Gesprächsthemen – unter anderem auch, wie es sich anfühlt, mittlerweile zur Minderheit ohne Nachwuchs zu gehören.

Was bedeuten die sich so unterschiedlich entwickelnden Lebensabschnitte für Freundschaften? Ich persönlich nehme genauso gern Anteil an den Tinder-Erlebnissen meiner Single-Freundin aus Heidelberg wie an der Schwangerschaft meiner Berliner Freundin oder den zuckersüßen Kindern meiner langjährigen Ballett- oder Schul-Freundinnen. Ich mag die Einblicke in diese unterschiedlichen Lebenswelten. Jedoch: Wäre ich die Einzige in meinem Umfeld ohne Kinder, würde ich das Ganze wohl nicht so entspannt sehen. Da bleibt dann nur noch die Mops-Adoption …

Das beste Beispiel dafür, dass wahre Freundschaft trotz ganz verschiedener Lebensmodelle alles überwinden kann, ist meine Freundin Tina: Obwohl sie seit unserem gemeinsamen Studium bereits in Afghanistan, Afrika und Brasilien gelebt und mittlerweile Mann und Kind hat, schaffen wir es mindestens einmal im Jahr, uns zu sehen. Und durch Sprachnachrichten und Fotos auf Whatsapp bringen wir uns zwischendurch immer wieder auf den neuesten Stand. Wann immer wir uns sehen, ist die alte Vertrautheit wieder da.

Eine psychologische Studie an der Uni Freiburg hat bereits 2003 gezeigt, dass die Anwesenheit von Freunden die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol verringert; Freunde senken das Risiko für Bluthochdruck und Depressionen und verlängern das Leben. Die Vertrautheit miteinander und das Gefühl, so angenommen zu werden, wie ich wirklich bin, ist für mich daher einer der Gründe, warum es sich lohnt, weiterhin in meine Freundschaften zu investieren, auch wenn es mittlerweile mehr Engagement und Verständnis erfordert.

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