Narben richtig pflegen (mit Video)

Narben richtig pflegen.

Ein tiefer Schnitt mit dem Brotmesser, die Blinddarm-OP, eine Verbrennung: Verletzungen der Haut heilen nicht immer ohne Spuren. Narben heben sich optisch ab, können jucken, spannen oder schmerzen. Die richtige Pflege kann helfen, diese Symptome zu mildern.

Es ist eine Notreparatur der Haut: Sobald tiefere Hautschichten verletzt werden, kurbelt unser Körper ein ausgeklügeltes Reparaturprogramm an: Das Bindegewebe produziert schnell viele Zellen, um die Wunde zu verschließen. Die frische Narbe ist rot, weil sie von vielen Blutgefäßen durchzogen ist. Später lassen die kollagenen Fasern die Narbe weißlich erscheinen. Doch dieses faserreiche Ersatzgewebe ist nicht so perfekt wie das Original, denn die neue Hülle ist weniger elastisch, enthält keine Haarfollikel, Talg- oder Schweißdrüsen und oft auch keine Pigmentzellen mehr.

Abhängig von Art und Lage der Verletzung und der Wundversorgung bilden sich unterschiedliche Narben aus. Auch Veranlagung und Alter beeinflussen, ob eine glatte Narbe entsteht oder das Gewebe einsinkt, verhärtet oder sogar wuchert.  Narben können sich auch entwickeln, ohne dass Blut geflossen ist. Bei Schwangerschaftsstreifen entstehen feine Risse im Unterhautgewebe, wenn der Babybauch sehr schnell wächst. Die bläulichen Streifen verblassen mit der Zeit. Tipp: Durch eine regelmäßige Zupfmassage mit Öl können Sie vorbeugen.

Pflege von Anfang an. Überhaupt können wir selbst einiges tun, um die Haut bei der Heilung zu unterstützen. Sobald die Fäden gezogen sind, die Wunde sich geschlossen hat beziehungsweise der Schorf abgefallen ist, sollte man mit der Narbenpflege beginnen. Je frischer die Narbe ist, desto größer sind die Erfolge. Denn eine Narbe reift bis zu 24 Monate und ist in dieser Zeit besonders empfänglich für Einflüsse – positive wie negative!

Enge Kleidung reizt die neue Haut, ebenso eine Dehnung des Gewebes (also auf belastende Bewegungen verzichten!). Auch starke Hitze und Kälte sollten Sie meiden. Jetzt im Sommer ist Sonnenschutz ein Muss. Denn junge Narben können durch UV-Strahlen bleibend dunkel pigmentieren und ein Sonnenbrand würde die lädierte Haut weiter schädigen. Auch ausgeheilte Narben sollten Sie durch Abdecken oder eine Lotion mit Lichtschutzfaktor 50+ schützen.

Cremen, cremen, cremen. Spezielle Narbencremes oder -gele können die Bildung von Narben positiv beeinflussen. Sie sollen das neue Gewebe elastischer machen, Rötungen und Juckreiz vorbeugen und das Risiko reduzieren, dass sich erhabene Narben bilden. Solche Narbenspezifika enthalten zum Beispiel abschwellenden und entzündungshemmenden Zwiebelextrakt. Allantoin kann Juckreiz vermindern und die Wunde schneller verheilen lassen. Der Zusatz von Heparin fördert nicht nur die Durchblutung, sondern lockert auch die Kollagenstrukturen auf und begünstigt die Bindung von Wasser. Silikon wiederum, ob als Gel oder aufgeklebtes Pflaster, soll dafür sorgen, dass nicht zu viel Bindegewebe nachwächst. Ganz wichtig beim Cremen sind Ausdauer und Geduld. Massieren Sie über mehrere Wochen bis zu einem halben Jahr das Produkt sanft in die frische Narbe ein, und zwar mindestens zweimal täglich. Frische Narben sollten Sie nur vorsichtig massieren, und zwar frühestens einen Monat nach Wundverschluss. Bei älteren Narben können Sie ruhig mit mehr Druck arbeiten. Die Massage fördert zugleich die Durchblutung, erwärmt das Gewebe und beschleunigt so die Hautregeneration.


Thema Narbenpflege bei medpexTV: 
medpex Tipps zur Narbenbehandlung mit Narben-Gel von Bepanthen


Um die Wirksamkeit von Narbencremes zu verbessern, kommt manchmal therapeutischer Ultraschall zum Einsatz. Wulstige Narben lassen sich mit Kompressionsverbänden mildern. Ärzte können auffällige Narben mit Stickstoff vereisen, abschleifen, lasern oder operativ entfernen.

Spurlos wegzuzaubern sind Narben zwar nicht – aber mit der richtigen Versorgung lässt sich ihr Erscheinungsbild verbessern. So fällt es leichter, die Narbe als das zu akzeptieren, was sie ist: eine Erinnerung an überstandene Widrigkeiten. (mk)

Und warum zwackt oder juckt die Narbe bei Wetterwechsel?

Schuld sind wohl Nervenfasern in der Haut, die durch die Verletzung beziehungsweise das neue Narbengewebe beeinträchtigt sind oder anders verlaufen als zuvor. Bei einem Wetterumschwung können Luftdruckveränderungen dafür sorgen, dass diese Nerven Signale senden. Die Folge: Die Narbe kribbelt, zwickt oder schmerzt. Auch wenn es schwerfällt, sollten Sie nicht kratzen. Ein Narbengel und vorsichtiges Kühlen können den Juckreiz mildern.

Ein Gedanke zu „Narben richtig pflegen (mit Video)

  1. Tina

    Hallo,
    vielen Dank für die nützlichen Tipps.
    Es soll ja auch Möglichkeiten geben eine Narbe mit Hausmitten zu pflegen. Ich hatte es mal mit Zitrone versucht und konnte eine geringe Verbesserung der Farbe erzielen.
    Alles andere hat jedoch überhaupt nicht funktioniert.

    LG

    Antworten

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *