Wenn Milchzucker Probleme macht

Milchzucker Laktoseintoleranz

Bei Laktoseintoleranz kann bereits ein Cappuccino zum „Verhängnis“ werden. (Bild: fotolia/© marrakeshh)

Bauchkrämpfe nach einer Latte macchiato, Blähungen nach einer Quarkspeise oder Durchfall nach einem Glas kalter Milch – diese und andere Beschwerden können auf eine Laktoseintoleranz hindeuten.

Kennen Sie das auch – gerade haben Sie noch den letzten Schluck der Latte macchiato mit Genuss geschlürft und kurz darauf beginnt es im Bauch zu rumoren? Ein Völlegefühl stellt sich ein, der Bauch bläht sich auf, krampfartige Schmerzen entstehen.

Nahrungsmittelallergie versus Nahrungsmittelintoleranz

Oft verwechseln Betroffene Nahrungsmittelintoleranzen mit Nahrungsmittelallergien. Allergien und Intoleranzen bei Nahrungsmitteln sind äußert komplex und auf den ersten Blick nicht einfach zu unterscheiden. Bei einer Nahrungsmittelallergie liegt ein immunologisch vermittelter Mechanismus zugrunde. Das Immunsystem bildet Antikörper (Immunglobuline) gegen eigentlich harmlose Substanzen, meist gegen pflanzliches und tierisches Eiweiß. Im Gegensatz zu Lebensmittelallergien lassen sich Lebensmittelintoleranzen nicht mittels Allergietest nachweisen, da es sich um keinen immunologisch vermittelten Mechanismus handelt.

Anzeichen einer Laktoseintoleranz

Für schätzungsweise rund 20 Prozent der deutschen Bevölkerung ist der Milchzucker schwer verdaulich. Bei Betroffenen ist das Enzym Laktase, welches den Milchzucker im Dünndarm spaltet, zu wenig ausgeprägt oder gar nicht vorhanden. Dadurch gelangt die Laktose unverdaut in den Dickdarm und wird von Bakterien vergoren. Typische Anzeichen für eine Milchzuckerunverträglichkeit sind unter anderem Unwohlsein, Blähungen, Durchfall, Magenkrämpfe oder Erbrechen. Die Beschwerden können unmittelbar oder erst einige Stunden nach dem Genuss von Milch und Milchprodukten auftreten.

Mögliche Ursachen Eine Laktoseunverträglichkeit kann verschiedene Ursachen haben: Die primäre Laktoseintoleranz ist die häufigste Form. Während bei einem gesunden Säugling die Aktivität des Enzyms Laktase am höchsten ist, geht dies ab dem fünften Lebensjahr langsam zurück. Eine vorübergehende sekundäre Laktoseintoleranz kann als Folge einer Magen-Darm-Erkrankung oder nach einer Magen-Darm-Operation auftreten. In seltenen Fällen ist eine Milchzuckerunverträglichkeit angeboren.

Verschiedene Diagnoseverfahren Um herauszufinden, ob der Milchzucker wirklich Probleme bereitet, ist ein Selbst- oder ein Diättest empfehlenswert. Trinken Sie ein Glas Milch auf leeren Magen. Treten Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall auf, kann es sich um eine Milchzuckerunverträglichkeit handeln. Verzichten Sie bei einem Diättest für zwei Wochen bewusst auf Milch und Milchprodukte sowie unter anderem auf Wurstwaren, Süßigkeiten, Fertiggerichte, Getränke und sogar Medikamente, sofern diese Laktose enthalten. Treten die Symptome in diesem Zeitraum nicht mehr auf, kann das auf eine Laktoseintoleranz hindeuten. Ein Magen-Darm-Spezialist, beispielsweise ein Gastroenterologe oder ein Internist, kann durch verschiedene Testverfahren feststellen, ob es sich tatsächlich um eine Laktoseintoleranz oder um eine andere Erkrankung handelt. Ein bewährtes Testverfahren ist der H2-Atemtest. Der Test misst in bestimmten Zeitabständen den Wasserstoffgehalt der ausgeatmeten Luft vor und nach der Gabe von Laktose. Manchmal werden ein Bluttest und in Ausnahmefällen eine genetische Überprüfung oder eine Biopsie der Dünndarmschleimhaut durchgeführt.

Ernährungsumstellung als Therapie

Nicht jeder reagiert gleich stark auf den Milchzucker. Betroffene sollten herausfinden, welche Lebensmittel Beschwerden auslösen, und lieber darauf verzichten. Laktosearme oder laktosefreie Lebensmittel sind eine gute Alternative zu herkömmlichen Milchprodukten. Durch eine gezielte Ernährungsumstellung bleibt die Lebensqualität erhalten. Es gibt aber auch besondere Anlässe und Situationen, wie beispielsweise ein festliches Ereignis, eine Reise oder eine Essenseinladung, in denen Betroffene nicht auf laktosefreie Lebensmittel zurückgreifen wollen oder können. In diesen Ausnahmefällen helfen Laktase-Präparate zum Einnehmen, um das Essen auch ohne Reue zu genießen. (atw)

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