Bio-Wetter, fit trotz Wetterfühligkeit

Jeder zweite Deutsche bezeichnet sich als wetterfühlig. Kopfweh, Gelenkschmerzen und Müdigkeit sind häufige Symptome.

„Alle reden vom Wetter. Aber keiner unternimmt etwas dagegen.“ Mit diesem Zitat hat der bayerische Komiker und Kabarettist Karl Valentin auf den Punkt gebracht, wie sehr der Mensch dem Wetter ausgeliefert ist. Egal, ob es stürmt und schneit oder ob gerade die Sonne scheint: Die aktuelle Witterung liefert nicht nur ein dankbares Gesprächsthema, sondern immer auch einen Bezugspunkt für das eigene Wohlbefinden. Nicht zu Unrecht.

Ältere reagieren empfindlicher
Wetterfühlige sind keine eingebildeten Kranken, sie reagieren nur empfindlicher auf atmosphärische Störungen als andere. Vor allem Menschen, die gesundheitlich angeschlagen sind, registrieren feinfühlig, wenn etwas „in der Luft“ liegt. Laut einer Studie des Instituts und der Poliklinik für Arbeits- und Umweltmedizin der Ludwig-Maximilians- Universität (LMU) München verspüren 68,3 Prozent der über 60- Jährigen witterungsbedingte Beschwerden. Dagegen sehen sich nur 40,5 Prozent der bis 29-Jährigen von Regen, Wind und Temperaturschwankungen beeinträchtigt.

Dies legt den Schluss nahe, dass Vorerkrankungen oder chronische Leiden wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, Allergien und Rheuma, die im Alter viel häufiger auftreten, das Risiko für Wetterfühligkeit erhöhen. Dafür spricht zudem, dass sich vorhandene Krankheitszeichen wie Gelenkschmerzen oder Atemnot durch witterungsabhängige Faktoren verstärken. Aber auch die Erwartungshaltung steigert vermutlich vorhandene Beschwerden. „Wetterfühligkeit ist mitgeprägt von der individuellen Einstellung zum Wetter“, sagt der Medizin-Meteorologe Dr. Klaus Bucher vom Deutschen Wetterdienst in Freiburg. Denn ein und dieselbe Person bewertet die gleichen Witterungsbedingungen je nach Tagesform unterschiedlich.

Ein Wetterwechsel macht müde
Kopfschmerz und Migräne, Abgeschlagenheit und Erschöpfung, Schlafstörungen, Müdigkeit und Gelenkschmerzen sind die häufigsten Befindlichkeitsstörungen, über die Wetterfühlige laut Umfrage klagen.

„Diese Reaktionen machen den Betroffenen vor allem bei markanten Wetteränderungen mit deutlichem Luftmassenwechsel zu schaffen“, sagt Bucher. Typisch für die Westwindzone, in der Deutschland liegt, sind rasch aufeinanderfolgende Tiefdruckgebiete. Vor allem der Übergang von einem Hoch zu einem Tief strapaziert Anfällige. Häufig kündigt sich diese Wetteränderung in unseren Breiten mit einer Warmfront an, die von einer Kaltfront abgelöst wird. Dann verändern sich Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit innerhalb kürzester Zeit drastisch.

Eine heran nahende Warmfront verursacht vor allem Menschen mit Migräne und niedrigem Blutdruck Beschwerden. Auch Schlafstörungen treten dann häufig auf. Kaltfronten werden eher für Personen mit Gelenk- und Atemwegsbeschwerden zur Belastung. Eindeutige wissenschaftliche Belege dafür, dass bestimmte meteorologische Reize wie der Luftdruck oder sogenannte Sferics – in der Atmosphäre entstehende elektromagnetische Wellen – spezifische gesundheitsschädliche Effekte auslösen, gibt es bisher aber nicht. „Die belastende Wirkung des Wetters beruht nicht auf einem einzigen Faktor“, erklärt Bucher, „sondern auf einem Wirkungsakkord aus Temperatur, Luftdruck, Wind, dem Strahlungsfeld der Sonne und der Luftfeuchtigkeit.“

Der Organismus ist überfordert
Brisant für Wetterfühlige sind vor allem Frühling und Herbst, in denen schnelle Wetterwechsel an der Tagesordnung sind.

„Stabile Hochdrucklagen, wie wir sie häufig im Sommer und Winter sehen, haben dagegen eher einen günstigen Einfluss“, sagt Dr. Eva Wanka, Meteorologin am Institut und an der Poliklinik für Arbeits- und Umweltmedizin der LMU München. „In sehr heißen Sommern kann allerdings die große Hitzebelastung zu einem gesundheitlichen Problem werden.“

Hochdruckgebiete im Winter haben nur selten negative Seiten: „Wenn Smogwetterlagen auftreten, also kein Luftaustausch mehr stattfindet, können sich Schadstoffe in der Luft anhäufen und zu Problemen mit den Atemwegen führen.“ Übrigens ist auch Frühjahrsmüdigkeit nichts anderes als eine besondere Ausprägung der Wetterfühligkeit: Starke Temperaturschwankungen – morgens sind es oft noch null, mittags dann 20 Grad – verlangen dem Organismus eine große Anpassungsleistung ab. „Und das zu einem Zeitpunkt, wo seine Konstitution durch winterlichen Licht- und Bewegungsmangel eher schlecht ist“, sagt Bucher.

Dass Wetterfühligkeit auch auf zu viel Bequemlichkeit zurückgehen kann, zeigt sich darin, dass oft jene Menschen unter ihr leiden, die sich überwiegend in klimatisierten Büros und geheizten Wohnungen aufhalten. „Die Zeit, in der wir uns den verschiedenen Witterungsbedingungen aussetzen, ist so kurz, dass der Körper häufig nicht weiß, wie er damit umgehen soll“, sagt Wanka. Wer Wind und Wetter nicht scheut, trainiert dagegen die Anpassungsfähigkeit des Körpers. „Nicht nur bei Sonnenschein vor die Tür gehen, sondern auch bei Regen oder Wind einen Spaziergang machen“, rät Wanka deshalb.

Die Wärmeregulation trainieren
Auch Sauna, Kneipp’sche Güsse und Wechselduschen helfen dem Körper, sich Temperaturschwankungen rascher anzupassen. Denn der Wechsel von warm und kalt trainiert das Gefäßsystem. Menschen mit Vorerkrankungen sollten aber mit einem Arzt besprechen, ob Saunabesuche oder kalte Güsse für sie geeignet sind. So müssen zumindest Wetterfühlige nicht mehr nur vom Wetter reden, sondern können tatsächlich etwas dagegen tun.

Akuthilfe aus der Apotheke:

Leichte bis mittelschwere Kopfschmerzen lassen sich schnell und zuverlässig mit Präparaten lindern, die Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen oder Naproxen enthalten.

Schmerzlindernd und entspannend wirken Präparate mit Pfefferminz- oder Eukalyptusöl, die sanft auf die Schläfen getupft werden.

Bei Kreislaufproblemen haben sich Mittel mit Etilefrin oder Kapseln mit Kampfer bewährt. Fragen Sie Ihren Apotheker nach einem für Sie geeigneten Produkt, und informieren Sie Ihren Arzt über die Einnahme. Einen stärkenden Effekt besitzen Präparate mit pflanzlichen Wirkstoffen wie Melisse und Lavendel. Sie stabilisieren das Nervensystem.

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