Alpträume, ein Gutes Ende ausdenken

Träumen macht nicht jedem Spaß. Rund fünf Prozent aller Erwachsenen leiden regelmäßig an Alpträumen.

Wie gut sich ein Mensch seine Träume merken kann, ist individuell verschieden. „Schlechte Schläfer erinnern sich besser“, hat Schredl beobachtet. In seiner Kreativitäts-Studie hatten zudem Frauen meist ein weit besseres Traumgedächtnis als Männer.

Zwar sei es durchaus sinnvoll, Träume zu vergessen. „Sonst wäre unser Gehirn irgendwann so überladen“, erläutert der Psychologe, „dass wir nicht mehr wissen, was wir geträumt und was tatsächlich erlebt haben.“ Von seinen Träumen profitieren kann allerdings nur, wer einen Teil der nächtlichen Bilder am nächsten Tag noch weiß. „Diese Fähigkeit lässt sich trainieren“, weiß Schredl. „Am besten nimmt man sich vor dem Einschlafen vor, sich an das Geträumte zu erinnern.“ Hilfreich sei es, die Erinnerungen gleich nach dem Aufwachen in einem Traumtagebuch niederzuschreiben.

Manche Menschen würden ihre nächtlichen Abenteuer am liebsten sofort wieder vergessen. Rund fünf Prozent aller Erwachsenen leiden unter regelmäßig wiederkehrenden Alpträumen. „Dünnhäutige, sensible Menschen sind anfälliger“, sagt Schredl, „weil sie sich schlechter gegen Reize von außen abgrenzen können.“ Auch Stress oder traumatische Erlebnisse spielen eine Rolle. „Wenn die Betroffenen ihre Träume verdrängen, anstatt sich mit ihnen auseinander zu setzen“, berichtet Schredl, „werden diese oft noch schlimmer.“

Auch Christina Hemmen litt als Kind unter Alpträumen, oft wurde sie von Monstern verfolgt. „Mein Vater riet mir damals, nicht wegzulaufen“, erzählt die Saarbrücker Psychologie-Studentin, „sondern dem Monster ins Auge zu sehen.“ Die Kleine stellte sich ihren Ängsten und fragte: „Wer bist du? Was willst du von mir?“ Prompt verloren die nächtlichen Hirngespinste ihren Schrecken und verwandelten sich in jemanden, der ihr vertraut war.

Aktive Strategie gegen den Alptraum
Was Christina Hemmen als Kind intuitiv richtig machte, empfehlen auch Psychologen als Strategie gegen Alpträume. „Wie bei Wachängsten ist es wichtig, sich der Situation zu stellen“, berichtet Schredl, „und den Alptraum möglichst detailliert aufzuschreiben.“ Danach muss sich der Betroffene ein gutes Ende für den Traum ausdenken und dieses neue „Drehbuch“ einmal täglich in Gedanken wiederholen. „Mit dieser Strategie“, sagt Schredl, „erzielen wir bereits nach zwei Wochen gute Erfolge.“

Mit der Vertreibung der Monster waren Christina Hemmens nächtliche Abenteuer keineswegs beendet. „Nachdem die Bedrohung verschwunden war“, berichtet die heute 28-Jährige, „wurde mir plötzlich klar, dass ich träumte – und dachte mir, da kann ich ja mal ein bisschen herumfliegen.“ Das machte ihr solchen Spaß, dass sie anfing, im Traum die verrücktesten Sachen auszuprobieren – etwa durch Wände gehen oder in einen Spiegel hineingreifen.

„Ein bisschen seltsam kam ich mir allerdings schon vor“, erzählt Hemmen. Umso größer war die Erleichterung, als sie in ihrem ersten Studiensemester erfuhr, dass das merkwürdige Phänomen einen Namen hat: „Beim Klarträumen oder luziden Träumen ist einem bewusst, dass man träumt“, erklärt Brigitte Holzinger. „Man kann handeln, Entscheidungen treffen und aktiv ins Traumgeschehen eingreifen.“ Die Wiener Traumforscherin konnte nachweisen, dass beim Klarträumen Hirnbereiche aktiv sind, die auch für geistige Leistungen im Wachzustand verantwortlich sind. „Bei Kindern treten Klarträume oft ganz spontan auf“, berichtet die Psychotherapeutin. „Aber lernen kann das jeder – die Motivation muss nur groß genug sein.“ Sie empfiehlt das Klarträumen unter anderem zur Bewältigung von Alpträumen.

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